Erste Hilfe: Lebensrettende Maßnahmen sicher beherrschen

In einem medizinischen Notfall entscheiden oft die ersten Minuten über Leben und Tod. Bevor der Rettungsdienst eintrifft, bist du das wichtigste Bindeglied. Erste Hilfe zu leisten, erfordert keinen medizinischen Doktortitel, sondern lediglich Mut und entschlossenes Handeln. Die größte Gefahr besteht nicht darin, einen Fehler zu machen, sondern aus Angst gar nichts zu tun. Hier lernst du die wichtigsten Handgriffe, um in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und Leben zu retten.

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Die Rettungskette: Schritt für Schritt Leben retten

Jede Erste-Hilfe-Situation, egal ob es sich um einen Verkehrsunfall, einen häuslichen Sturz oder einen plötzlichen Herzstillstand handelt, folgt einem festen Ablauf: der Rettungskette. Diese Kette besteht aus mehreren ineinandergreifenden Gliedern. Bricht ein Glied weg, verzögert sich die professionelle medizinische Versorgung massiv. Deine Aufgabe als Ersthelfer konzentriert sich auf die ersten drei Glieder dieser Kette, bevor das medizinische Fachpersonal übernimmt.

Eigenschutz und Absichern der Notfallstelle

Der wichtigste Grundsatz in der Ersten Hilfe lautet: Eigenschutz geht immer vor Fremdschutz. Du kannst niemandem helfen, wenn du dich selbst in Lebensgefahr bringst. Wenn du an eine Unfallstelle kommst, musst du zuerst die Situation überblicken. Bei einem Verkehrsunfall bedeutet das konkret: Schalte die Warnblinkanlage ein, ziehe deine Warnweste an, bevor du das Fahrzeug verlässt, und stelle das Warndreieck in ausreichendem Abstand auf. Auf Landstraßen sind das mindestens 100 Meter, auf Autobahnen 150 bis 200 Meter, idealerweise vor einer Kurve oder Kuppe.

Auch im häuslichen Umfeld oder am Arbeitsplatz ist der Eigenschutz elementar. Überprüfe bei bewusstlosen Personen in geschlossenen Räumen, ob eventuell Gasgeruch wahrnehmbar ist. Berühre eine Person, die einen Stromschlag erlitten hat, niemals mit bloßen Händen, solange die Stromquelle nicht abgeschaltet ist. Achte auf scharfe Gegenstände, herumliegende Spritzen oder aggressive Tiere in der Nähe des Verunfallten.

Der Notruf 112: Die lebenswichtigen W-Fragen

Sobald die Stelle gesichert ist und du dir einen ersten Eindruck vom Zustand des Patienten verschafft hast, musst du professionelle Hilfe rufen. Die europaweite, kostenfreie Notrufnummer lautet 112. Diese Nummer verbindet dich direkt mit der Rettungsleitstelle. Versuche, am Telefon ruhig zu atmen und sprich deutlich. Die Disponenten in der Leitstelle sind speziell geschult und führen dich durch das Gespräch. Du musst dir nur die klassischen W-Fragen merken:

  • Wo ist das Ereignis? (Ort, Straße, Hausnummer, Etage oder prägnante Orientierungspunkte auf Landstraßen).
  • Wer ruft an? (Nenne deinen Namen für eventuelle Rückfragen).
  • Was ist geschehen? (Verkehrsunfall, Sturz, plötzliche Bewusstlosigkeit).
  • Wie viele Verletzte gibt es? (Dies entscheidet darüber, wie viele Rettungswagen und Notärzte geschickt werden).
  • Welche Verletzungen liegen vor? (Atmet die Person? Blutungen? Eingeklemmt?).
  • Warten auf Rückfragen! Lege niemals als Erster auf. Der Disponent beendet das Gespräch, sobald er alle nötigen Informationen hat, und bleibt bei schweren Notfällen oft am Telefon, um dich bei der Reanimation anzuleiten.

Bewusstlosigkeit und stabile Seitenlage

Ein Mensch ist bewusstlos, wenn er auf lautes Ansprechen und Schmerzreize nicht reagiert, aber noch eigenständig atmet. Die Bewusstlosigkeit ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Da die gesamte Muskulatur erschlafft, fällt auch die Zunge in den Rachenraum zurück und kann die Atemwege blockieren. Zudem besteht die akute Gefahr, dass Mageninhalt in die Lunge fließt (Aspiration), was zum Ersticken führt.

Bewusstsein und Atmung prüfen

Wenn du eine Person am Boden liegend vorfindest, sprich sie laut an: „Hallo, hören Sie mich? Öffnen Sie die Augen!“. Reagiert die Person nicht, rüttele sie kräftig an den Schultern. Bleibt auch hier jede Reaktion aus, liegt eine Bewusstlosigkeit vor. Nun musst du umgehend die Atmung kontrollieren.

Mache die Atemwege frei, indem du eine Hand auf die Stirn des Betroffenen legst und mit zwei Fingern der anderen Hand das Kinn anhebst. Neige den Kopf sanft nach hinten. Beuge dich nun mit deinem Ohr über Mund und Nase des Patienten und richte deinen Blick auf seinen Brustkorb. Für maximal zehn Sekunden wendest du das Prinzip „Hören, Sehen, Fühlen“ an: Höre auf Atemgeräusche, sehe, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, und fühle den warmen Atemstrom an deiner Wange. Ist eine normale Atmung vorhanden, wendest du die stabile Seitenlage an.

Die stabile Seitenlage richtig ausführen

Die stabile Seitenlage stellt sicher, dass die Atemwege dauerhaft freigehalten werden und Erbrochenes oder Blut ungehindert aus dem Mund abfließen können. Der Kopf wird dabei zum tiefsten Punkt des Körpers.

  1. Knie dich seitlich neben die bewusstlose Person. Strecke die Beine des Patienten aus.
  2. Lege den Arm, der dir am nächsten ist, angewinkelt nach oben, sodass die Handfläche nach oben zeigt. Der Arm bildet einen rechten Winkel zum Körper.
  3. Greife den anderen, dir ferneren Arm am Handgelenk und kreuze ihn über den Brustkorb der Person. Lege den Handrücken dieser Hand an die Wange des Patienten, die dir zugewandt ist. Halte diese Hand dort fest.
  4. Greife nun mit deiner freien Hand das dir fernere Bein knapp über dem Knie und stelle es auf.
  5. Ziehe das aufgestellte Bein zu dir heran. Der Körper rollt sich nun automatisch auf die Seite.
  6. Richte das obere Bein so aus, dass Hüfte und Knie einen rechten Winkel bilden. Das stabilisiert den Körper und verhindert ein Überrollen auf den Bauch.
  7. Neige den Kopf der Person erneut stark nach hinten, um die Atemwege zu öffnen, und richte den Mund so aus, dass er den tiefsten Punkt bildet. Öffne den Mund leicht.

Bis der Rettungsdienst eintrifft, musst du die liegende Person zudecken, um eine Unterkühlung zu vermeiden, und fortlaufend (mindestens jede Minute) prüfen, ob die Atmung noch intakt ist.

Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation)

Fehlt die normale Atmung oder ringt die Person nach Luft (sogenannte Schnappatmung), hat das Herz aufgehört, Blut durch den Körper zu pumpen. Ein Herzstillstand führt innerhalb von drei bis fünf Minuten zu irreversiblen Hirnschäden, da die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen ist. In dieser Situation musst du sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Du bist nun die Pumpe, die das Restblut im Körper zirkulieren lässt.

Die Technik der Herzdruckmassage

Lege die Person flach auf einen harten Untergrund. Ein weiches Bett federt den Druck ab und macht die Massage wirkungslos. Mache den Brustkorb frei von dicker Kleidung. Knie dich auf Höhe des Brustkorbs neben den Patienten.

Lege den Handballen deiner einen Hand genau auf die Mitte der Brust (auf das untere Drittel des Brustbeins). Setze den Handballen der anderen Hand auf die erste Hand und verschränke die Finger. Strecke deine Arme komplett durch und verlagere dein Körpergewicht senkrecht über den Patienten. Drücke den Brustkorb kräftig und schnell nach unten. Die Drucktiefe muss bei einem Erwachsenen fünf bis sechs Zentimeter betragen. Das Tempo liegt bei 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Als Rhythmus-Hilfe dienen Lieder wie „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees oder „Atemlos“ von Helene Fischer. Ganz wichtig: Nach jedem Druck musst du den Brustkorb vollständig entlasten, damit sich das Herz wieder mit Blut füllen kann. Nimm deine Hände dabei aber nicht vom Brustkorb ab.

Beatmung: Eine sinnvolle Ergänzung

Nach 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Beatmungen. Neige dazu den Kopf des Patienten nach hinten, verschließe mit zwei Fingern die Nase und atme tief ein. Lege deine Lippen dicht über den Mund des Patienten und blase die Luft für etwa eine Sekunde gleichmäßig ein. Achte aus den Augenwinkeln darauf, ob sich der Brustkorb hebt. Wiederhole den Vorgang ein zweites Mal und setze danach sofort die Herzdruckmassage fort. Der Rhythmus lautet stets 30:2. Wenn du die Beatmung nicht durchführen kannst oder dich stark davor ekelst, lass sie komplett weg und führe ausschließlich die Herzdruckmassage ohne Pause durch. Ununterbrochenes Drücken ist weitaus besser, als aus Angst vor der Beatmung gar nichts zu tun.

Der Einsatz eines Defibrillators (AED)

Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) ist ein lebensrettendes Gerät, das speziell für Laien entwickelt wurde. Du findest diese Geräte in Bahnhöfen, Flughäfen, Banken, Einkaufszentren und vielen öffentlichen Gebäuden, oft gekennzeichnet durch ein grünes Schild mit einem weißen Herzen und einem Blitz.

Wenn ein zweiter Helfer anwesend ist, schicke diesen los, um einen AED zu holen, während du ununterbrochen weiter drückst. Sobald das Gerät da ist, schalte es ein. Ab diesem Moment gibt der AED klare und laute Sprachbefehle. Du musst nur den Anweisungen folgen. Klebe die Elektroden wie auf den Bildern abgebildet auf den nackten Brustkorb des Patienten. Das Gerät analysiert nun den Herzrhythmus. In dieser Zeit darf niemand den Patienten berühren. Erkennt der AED ein sogenanntes Kammerflimmern (ein unkoordiniertes, elektrisches Chaos im Herzen), fordert er dich auf, die Schocktaste zu drücken. Stelle vorher sicher, dass niemand die Person berührt, und drücke die leuchtende Taste. Der Stromstoß stoppt das Chaos, und du musst sofort im Anschluss mit der Herzdruckmassage weitermachen.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt und Schlaganfall

Ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall sind internistische Extremnotfälle, bei denen jede verstrichene Minute unwiederbringlich Gewebe zerstört. Bei beiden Krankheitsbildern verschließt ein Blutgerinnsel ein lebenswichtiges Gefäß. Beim Herzinfarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab, beim Schlaganfall sind es Gehirnzellen. Deine Aufgabe ist es, die Symptome blitzschnell zu erkennen und ohne Zögern die 112 zu wählen.

Symptome eines Herzinfarkts erkennen

Ein Herzinfarkt kündigt sich oft schleichend an, kann aber auch völlig unvermittelt auftreten. Ein massives Problem ist, dass Frauen und Männer teilweise völlig unterschiedliche Symptome aufweisen, weshalb Infarkte bei Frauen oft zu spät erkannt werden.

Symptome bei Männern Symptome bei Frauen Allgemeine Warnsignale
Massiver Druck auf der Brust (als stünde ein Elefant auf dem Brustkorb). Starke Kurzatmigkeit und unerklärliche, extreme Erschöpfung. Kalter, klebriger Schweiß auf der Stirn und im Gesicht.
Stechende Schmerzen, die in den linken Arm, den Unterkiefer oder den Rücken ausstrahlen. Schmerzen im Oberbauch, die oft als starke Magenverstimmung fehldiagnostiziert werden. Todesangst, Panik und aschfahle Gesichtsschattierung.
Engegefühl im Hals und plötzliche Atemnot. Übelkeit, Erbrechen und unerklärliche Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern. Blutdruckabfall und rasender, aber schwacher Puls.

Wenn du den Verdacht auf einen Herzinfarkt hast, rufe sofort den Notarzt. Bringe die Person in eine sitzende Position mit leicht hochgelagertem Oberkörper (Herz-Bett-Lagerung). Das entlastet das Herz, da weniger venöses Blut aus dem Bauchraum zum Herzen zurückfließt. Öffne beengende Kleidung wie Krawatten, Kragen oder Gürtel und beruhige die Person intensiv, da Stress den Sauerstoffbedarf des Herzens weiter in die Höhe treibt.

Der FAST-Test beim Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist ein „Brain Attack“, ein Hirninfarkt. Da die Sauerstoffversorgung eines bestimmten Gehirnareals abbricht, fallen exakt die Körperfunktionen aus, die von diesem Bereich gesteuert werden. Um einen Schlaganfall auch als Laie in Sekundenschnelle und mit hoher Sicherheit diagnostizieren zu können, hat sich weltweit der FAST-Test etabliert.

  • Face (Gesicht): Bitte die Person, breit zu lächeln oder die Zähne zu zeigen. Hängt ein Mundwinkel schlaff nach unten, ist dies ein klares Zeichen für eine halbseitige Gesichtslähmung.
  • Arms (Arme): Fordere die Person auf, beide Arme mit den Handflächen nach oben gerade nach vorne auszustrecken und die Augen zu schließen. Sinkt ein Arm ab oder dreht sich die Handfläche nach innen, liegt eine motorische Störung vor.
  • Speech (Sprache): Lass die Person einen einfachen Satz nachsprechen, zum Beispiel: „Die Sonne scheint heute sehr schön.“ Klingt die Sprache verwaschen, lallend, oder hat die Person Mühe, überhaupt Worte zu finden (Aphasie), ist das Sprachzentrum im Gehirn betroffen.
  • Time (Zeit): Ist auch nur eines dieser Symptome positiv, darfst du keine Sekunde verlieren. Wähle sofort den Notruf 112 und melde den Verdacht auf einen Schlaganfall. Ärzte haben nur ein enges Zeitfenster von etwa vier Stunden, um das Blutgerinnsel im Gehirn medikamentös aufzulösen (Thrombolyse).

Starke Blutungen und Wundversorgung

Blutverlust ist eine der häufigsten Ursachen für einen Schockzustand. Während kleine Schnittwunden lediglich mit einem Pflaster versorgt werden müssen, erfordern stark blutende Wunden – insbesondere bei Verletzungen von Arterien, bei denen das Blut hellrot und pulsierend aus der Wunde spritzt – ein sofortiges Eingreifen.

Der Druckverband

Das primäre Ziel bei einer starken Blutung ist es, das blutende Gefäß von außen mechanisch zusammenzudrücken. Hierfür wendest du den Druckverband an. Ziehe dir, wenn möglich, immer Einweghandschuhe aus dem Verbandskasten an, um dich vor Infektionen zu schützen.

Lass den Verletzten sich hinsetzen oder hinlegen und lagere den betroffenen Körperteil hoch. Dadurch verringert sich der Blutdruck in dieser Extremität. Lege eine sterile Wundauflage direkt auf die blutende Stelle. Umwickle die Wundauflage nun zwei- bis dreimal straff mit einer Mullbinde. Jetzt benötigst du das Druckpolster. Dieses Polster muss fest und unnachgiebig sein. Dafür eignet sich eine ungeöffnete Verbandspäckchen-Rolle, ein verpacktes Taschentuch oder sogar ein Feuerzeug. Lege dieses Druckpolster exakt über die Wunde auf die ersten Bindentouren. Wickle nun die restliche Mullbinde unter starkem Zug genau über dieses Polster. Das Polster drückt tief in das Gewebe und komprimiert die verletzte Ader. Verknote die Binde stramm.

Sollte das Blut nach kurzer Zeit durch diesen Verband hindurchsickern, nimm ihn auf keinen Fall ab. Die bereits gebildeten Blutgerinnsel würden sofort wieder abreißen. Lege stattdessen ein zweites Druckpolster auf den ersten Verband und wickle einen weiteren, noch strafferen Verband darüber.

Schocklage bei hohem Blutverlust

Ein Volumenmangelschock entsteht, wenn zu viel Blut den Körper verlassen hat. Das Gehirn und die inneren Organe werden nicht mehr ausreichend durchblutet. Typische Anzeichen für einen Schock sind blasse, kalte Haut, ein klebriger Schweißfilm, auffällige Unruhe, starkes Zittern und ein extrem schneller, aber kaum tastbarer Puls.

Ist die Blutung gestillt, musst du die Durchblutung der lebenswichtigen Organe sichern. Wende dazu die Schocklage an. Lege den Patienten flach auf den Rücken und lagere seine Beine erhöht, etwa auf einem Stuhl, einem Rucksack oder durch Festhalten mit deinen eigenen Händen. Durch die Schwerkraft fließt das Blut aus den Beinen zurück in die Körpermitte zum Herzen und zum Gehirn. Decke den Patienten warm zu und rede ihm beruhigend zu.

Verbrennungen und Verbrühungen

Hautschäden durch extreme Hitze verursachen unerträgliche Schmerzen und zerstören die natürliche Schutzbarriere des Körpers. Bei Verbrennungen und Verbrühungen (durch heiße Flüssigkeiten) muss sofort gehandelt werden, um zu verhindern, dass die Hitze noch tiefer ins Gewebe frisst (das sogenannte Nachbrennen).

Richtiges Kühlen: Lebenswichtig, aber gefährlich bei Übertreibung

Kleine, lokale Verbrennungen (z. B. am Finger oder Handgelenk) solltest du sofort unter fließendes Wasser halten. Das Wasser darf jedoch auf keinen Fall eiskalt sein, sondern sollte lauwarm bis handwarm sein (ca. 15 bis 20 Grad Celsius). Kühle für etwa 10 bis 15 Minuten. Kaltes Wasser oder gar Eiswürfel verengen die Blutgefäße schlagartig, was die Durchblutung des verbrannten Gewebes stoppt und zu noch schlimmeren Gewebeschäden führt.

Bei großflächigen Verbrennungen (z. B. am gesamten Rumpf oder an beiden Beinen) darfst du auf keinen Fall großflächig kühlen. Die verbrannte Haut hat ihre Temperaturregulationsfähigkeit verloren. Kühlst du einen großen Körperbereich ab, sinkt die Körperkerntemperatur innerhalb von Minuten lebensbedrohlich ab. Der Patient droht zu erfrieren. In solchen Fällen entfernst du lediglich die Kleidung (sofern sie nicht mit der Wunde verklebt ist), deckst die Brandwunde mit einem sterilen, metallbeschichteten Verbandtuch aus dem Erste-Hilfe-Kasten locker ab und wartest auf den Notarzt.

Was du auf keinen Fall tun darfst

Brandblasen sind der natürliche, sterile Verband deines Körpers. Stich sie unter keinen Umständen auf, da sonst sofort Bakterien eindringen können. Zudem sind bei Verbrennungen sämtliche Hausmittel streng verboten. Trage weder Mehl, Öl, Zahnpasta noch Brandsalben auf offene Verbrennungen auf. Diese Stoffe verkleben die Wunde, stauen die Hitze im Gewebe und müssen vom Chirurgen in der Klinik unter extremen Schmerzen wieder aus der Wunde gebürstet werden.

Atemnot und Ersticken

Atemnot löst beim Betroffenen sofortige Todesangst aus. Ursachen können ein verschluckter Fremdkörper, ein schwerer Asthmaanfall oder eine extreme allergische Reaktion sein.

Fremdkörper in den Atemwegen (Heimlich-Manöver)

Wenn sich eine Person schwer verschluckt hat, sich an den Hals greift, stark hustet oder bereits blau anläuft, musst du sofort mechanisch eingreifen. Ermutige die Person zunächst, kräftig weiterzuhusten. Solange sie husten oder sprechen kann, ist die Luftröhre nicht komplett verschlossen.

Bleibt der Husten erfolglos und die Atemnot nimmt zu, stell dich seitlich hinter die Person, beuge ihren Oberkörper weit nach vorne und schlage mit dem Handballen bis zu fünfmal kräftig zwischen ihre Schulterblätter. Hilft auch das nicht, wendest du das Heimlich-Manöver (Oberbauchkompression) an: Stell dich hinter den Patienten, umfasse seinen Oberbauch mit beiden Armen. Balle eine Hand zur Faust und lege sie zwischen Bauchnabel und Brustbeinende. Greife diese Faust mit der anderen Hand und ziehe sie ruckartig und kräftig nach innen und oben. Dadurch presst du die Restluft aus der Lunge wie bei einem Blasebalg nach oben, wodurch der Fremdkörper oft herausgeschleudert wird. Mache dies maximal fünfmal im Wechsel mit den Rückenschlägen.

Asthmaanfall und allergischer Schock

Bei einem Asthmaanfall verkrampfen die feinen Äste der Bronchien. Der Patient atmet schwer, und das Ausatmen wird von einem pfeifenden Geräusch begleitet. Bringe den Patienten in den Kutschersitz: Er soll sich hinsetzen, den Oberkörper leicht nach vorne beugen und die Unterarme auf den Oberschenkeln abstützen. Diese Haltung entlastet die Atemhilfsmuskulatur im Brustkorb. Fordere ihn auf, die Lippenbremse anzuwenden (gegen die fast geschlossenen Lippen ausatmen), und hilf ihm bei der Suche nach seinem Notfallinhalator.

Ein allergischer Schock (Anaphylaxie), beispielsweise nach einem Insektenstich, ist hochgradig lebensbedrohlich. Die Atemwege schwellen massiv an, und der Blutdruck fällt ins Bodenlose. Wenn der Patient einen Adrenalin-Autoinjektor (EpiPen) bei sich trägt, hilf ihm sofort bei der Anwendung. Der Pen wird fest in die Außenseite des Oberschenkels gedrückt. Bringe die Person anschließend sofort in die Schocklage (Beine hoch) und alarmiere den Notarzt.

Erste Hilfe am Kind (Säuglinge und Kleinkinder)

Die Anatomie von Säuglingen und Kindern unterscheidet sich gravierend von der eines Erwachsenen. Notfälle bei Kindern sind extrem stressig, erfordern aber ein besonnenes Vorgehen und angepasste Techniken.

Besonderheiten bei der Reanimation von Kindern

Während bei Erwachsenen ein Herzstillstand fast immer kardiale Ursachen hat (z. B. Herzinfarkt), liegt die Ursache bei Kindern und Säuglingen fast ausschließlich in einem vorangegangenen Atemstillstand (z. B. durch Ersticken oder Ertrinken). Daher steht bei der Kinderreanimation die Sauerstoffzufuhr an oberster Stelle.

Wenn ein Kind oder Säugling nicht atmet, beginnst du sofort mit fünf initialen Beatmungen. Beim Säugling (unter einem Jahr) umschließt du mit deinem Mund sowohl den Mund als auch die Nase des Babys. Überstrecke den Kopf des Babys nicht zu stark, da sonst die weiche Luftröhre abknickt; eine neutrale Position („Schnüffelposition“) ist ideal. Puste nur so viel Luft ein, bis sich der winzige Brustkorb hebt. Zeigt das Kind nach den fünf Beatmungen keine Lebenszeichen, beginnst du mit der Herzdruckmassage im Verhältnis 15 Kompressionen zu zwei Beatmungen (15:2). Beim Säugling drückst du nicht mit den Händen, sondern nur mit zwei Fingern in der Mitte des Brustkorbs (Drucktiefe etwa 4 Zentimeter). Beim Kleinkind nutzt du einen Handballen (Drucktiefe etwa 5 Zentimeter). Wenn du dir unsicher bist, kannst du auch beim Kind das 30:2-Schema der Erwachsenen anwenden – das Wichtigste ist, dass überhaupt reanimiert wird.

Fieberkrampf und Pseudokrupp

Ein Fieberkrampf betrifft meist Kinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr. Bei einem raschen Fieberanstieg kommt es zu einem epileptischen Anfall. Das Kind verliert das Bewusstsein, verdreht die Augen, und Arme sowie Beine zucken rhythmisch. Auch wenn es furchtbar aussieht: Ein unkomplizierter Fieberkrampf hört nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlässt keine Hirnschäden. Halte das Kind während des Krampfes auf keinen Fall gewaltsam fest und stecke nichts in seinen Mund. Räume lediglich harte Gegenstände aus der Umgebung weg, polstere den Kopf ab und rufe den Notarzt. Schütze das Kind danach vor dem Auskühlen.

Pseudokrupp tritt häufig in den Herbst- und Wintermonaten bei nächtlichen Anfällen auf. Die Schleimhaut unterhalb der Stimmlippen schwillt an. Das Kind wacht mit einem rauen, bellenden Husten (wie ein Seehund) und hörbarer Atemnot auf. Nimm das Kind auf den Arm, bleibe unbedingt selbst völlig ruhig, da sich deine Panik auf das Kind überträgt und die Atemnot verstärkt. Gehe mit dem Kind ans offene Fenster oder vor den geöffneten Kühlschrank. Die kühle, feuchte Luft lässt die Schleimhäute abschwellen. Tritt nach wenigen Minuten keine Besserung ein, wähle den Notruf.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Ersten Hilfe

Kann ich rechtlich belangt werden, wenn ich bei der Ersten Hilfe Fehler mache?

Nein. Der Gesetzgeber schützt Ersthelfer in Deutschland extrem gut. Wenn du nach bestem Wissen und Gewissen handelst und dabei versehentlich einen Fehler machst (zum Beispiel bei der Herzdruckmassage eine Rippe brichst), kannst du dafür nicht straf- oder zivilrechtlich haftbar gemacht werden. Eine Rippe heilt wieder, der Tod durch Unterlassen ist endgültig. Strafbar machst du dich jedoch durch unterlassene Hilfeleistung, wenn du einfach weitergehst, ohne wenigstens den Notruf zu wählen.

Muss ich eine fremde Person beatmen, wenn ich mich davor ekele?

Niemand zwingt dich zu Maßnahmen, vor denen du dich stark ekelst oder die dir aus hygienischen Gründen Angst machen (z. B. bei viel Blut oder Erbrochenem im Gesicht des Patienten). Wenn du nicht beatmen möchtest, lass es einfach bleiben. Führe in diesem Fall die Herzdruckmassage ununterbrochen und ohne Pausen durch. Im Blutkreislauf befindet sich noch ausreichend Restsauerstoff für die ersten entscheidenden Minuten.

Was ist der Unterschied zwischen der Nummer 112 und 116117?

Die 112 ist der europaweite Notruf für akute, lebensbedrohliche Situationen (Unfälle, Herzinfarkt, Atemnot, schwere Blutungen). Hier wird sofort ein Rettungswagen mit Blaulicht und Notarzt geschickt. Die 116117 ist die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Diese wählst du in Situationen, mit denen du normalerweise zu deinem Hausarzt gehen würdest, dieser aber geschlossen hat (z. B. nachts oder am Wochenende). Typische Fälle für die 116117 sind hohes Fieber, Magen-Darm-Infekte oder akute Rückenschmerzen, die nicht lebensgefährlich sind.

Wie tief und wie schnell muss ich bei der Herzdruckmassage wirklich drücken?

Bei einem Erwachsenen musst du den Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken. Das erfordert sehr viel Kraft und ist anstrengend. Die Frequenz sollte zwischen 100 und 120 Schlägen pro Minute liegen. Du drückst also fast zweimal pro Sekunde. Es ist völlig normal, dass es dabei knirscht oder knackt, weil Rippen oder Knorpelverbindungen brechen. Lass dich davon nicht beirren und drücke im gleichen Rhythmus weiter.

Darf ich einem Verunfallten nach einem Unfall Wasser zu trinken geben?

Nein, das ist streng verboten. Auch wenn ein Verletzter massiv über Durst klagt (was ein typisches Zeichen für einen Schock und inneren Blutverlust ist), darfst du ihm weder Wasser noch Essen geben. Die Muskeln, die für den Schluckreflex zuständig sind, könnten durch den Schock beeinträchtigt sein, was zu Erstickungsgefahr führt. Zudem muss der Magen für eine eventuell kurzfristig notwendige Notoperation im Krankenhaus zwingend leer (nüchtern) sein, da sonst bei der Narkose Erbrochenes in die Lunge gelangen kann.

Was mache ich, wenn ein bewusstloser Motorradfahrer einen Helm trägt?

Ein Helm muss bei einem bewusstlosen Motorradfahrer zwingend abgenommen werden. Solange der Helm auf dem Kopf ist, kannst du nicht sicher prüfen, ob der Verunfallte atmet, und du kannst im Falle eines Atemstillstands weder die Atemwege durch Überstrecken des Kopfes freimachen noch beatmen. Die Sorge vor Wirbelsäulenverletzungen tritt hier in den Hintergrund, denn die akute Erstickungsgefahr hat absolute Priorität. Fixiere den Nacken beim Abziehen des Helms so gut wie möglich mit deinen Händen.