Wirkstoffe in der Medizin: Die treibende Kraft deiner Medikamente
Wenn du eine Tablette einnimmst oder eine Salbe aufträgst, vertraust du auf die Kraft der Chemie oder der Natur. Doch was genau passiert in deinem Körper? Der entscheidende Bestandteil jeder Arznei ist der Wirkstoff. Er ist die spezifische Substanz, die eine biologische Reaktion auslöst, um Krankheiten zu heilen oder Schmerzen zu lindern. Auf Gesundheit-Medikamente.com erfährst du, wie diese winzigen Moleküle ihren Weg finden und worauf du bei ihrer Anwendung unbedingt achten musst.
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zum Angebot »Was ist ein Wirkstoff? Der Unterschied zwischen Arzneistoff und Hilfsstoff
In der pharmazeutischen Fachsprache wird streng zwischen dem Wirkstoff (Arzneistoff) und den Hilfsstoffen unterschieden. Wenn du eine Kopfschmerztablette betrachtest, macht der eigentliche Wirkstoff oft nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtgewichts aus. Dennoch ist er die einzige Komponente, die direkt gegen deine Beschwerden arbeitet.
Die Hilfsstoffe hingegen haben unterstützende Aufgaben. Sie sorgen dafür, dass die Tablette stabil bleibt, nicht im Mund zerfällt oder einen akzeptablen Geschmack hat. Manche Hilfsstoffe steuern auch die Freisetzung, indem sie dafür sorgen, dass der Wirkstoff erst im Darm und nicht schon im Magen freigesetzt wird. Ohne diese Trägersubstanzen könnte der Wirkstoff seinen Zielort im Körper oft gar nicht erreichen oder würde zu schnell abgebaut werden. Ein Medikament ist also immer ein präzise abgestimmtes Gesamtsystem aus Wirkung und Transport.
Die Einteilung der Wirkstoffe: Von Chemie bis Biotechnologie
Wirkstoffe können aus völlig unterschiedlichen Quellen stammen. Die moderne Medizin nutzt heute drei Hauptgruppen, um eine breite Palette an Erkrankungen zu behandeln. Das Verständnis dieser Gruppen hilft dir zu begreifen, warum manche Medikamente als Tabletten funktionieren und andere gespritzt werden müssen.
Synthetische Wirkstoffe
Die meisten klassischen Medikamente, die du in der Apotheke findest, bestehen aus synthetischen Wirkstoffen. Diese werden im Labor durch chemische Reaktionen hergestellt. Sie haben den Vorteil, dass sie sehr rein sind und in exakt gleicher Qualität massenhaft produziert werden können. Ein bekanntes Beispiel ist die Acetylsalicylsäure (ASS) oder das Schmerzmittel Ibuprofen. Diese Moleküle sind relativ klein und stabil, weshalb sie meist problemlos geschluckt werden können und den Weg durch den Magen überstehen.
Biotechnologische Wirkstoffe (Biologicals)
Biologicals sind die „Hochleistungssportler“ unter den Arzneistoffen. Sie werden nicht chemisch zusammengebaut, sondern von lebenden Zellen (z. B. Bakterien- oder Säugetierzellen) in komplexen Bioreaktoren produziert. Diese Wirkstoffe sind meist sehr große Eiweißmoleküle (Proteine), wie zum Beispiel Insulin oder Antikörper gegen Rheuma oder Krebs. Da Proteine im Magen wie ein Steak verdaut werden würden, müssen Biologicals fast immer gespritzt oder per Infusion verabreicht werden. Sie greifen oft sehr gezielt in das Immunsystem oder den Stoffwechsel ein.
Pflanzliche Wirkstoffe (Phytopharmaka)
In der Naturheilkunde nutzt man Vielstoffgemische aus Pflanzen. Ein Extrakt aus Johanniskraut oder Passionsblume enthält hunderte verschiedene Substanzen, die in ihrer Kombination wirken. Die moderne Phytotherapie standardisiert diese Wirkstoffe jedoch, um sicherzustellen, dass in jeder Kapsel die gleiche Menge der entscheidenden Inhaltsstoffe enthalten ist. Viele moderne chemische Wirkstoffe haben ihren Ursprung in der Pflanzenwelt – so wurde zum Beispiel das Herzmittel Digitalis ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen.
Pharmakokinetik: Die Reise des Wirkstoffs durch deinen Körper
Die Pharmakokinetik beschreibt, was dein Körper mit dem Wirkstoff macht. Sobald du ein Medikament zu dir nimmst, beginnt ein hochkomplexer Prozess, der in der Medizin oft mit der Abkürzung ADME beschrieben wird. Wenn du diese vier Phasen verstehst, weißt du auch, warum die Zeitpunkte der Einnahme so wichtig sind.
Absorption (Aufnahme)
Zuerst muss der Wirkstoff vom Ort der Verabreichung in die Blutbahn gelangen. Bei einer Tablette geschieht dies meist über die Schleimhaut des Dünndarms. Hier spielt die Löslichkeit eine große Rolle. Fettlösliche Wirkstoffe gelangen oft leichter durch die Zellmembranen als wasserlösliche. Faktoren wie Nahrung im Magen können die Aufnahme massiv verzögern oder beschleunigen.
Distribution (Verteilung)
Einmal im Blut, wird der Wirkstoff im gesamten Körper verteilt. Das Blut fungiert als Transportsystem. Manche Wirkstoffe binden sich an Eiweiße im Blut (Plasmaeiweißbindung) und kreisen dort wie in einem Depot. Nur der freie, ungebundene Anteil des Wirkstoffs kann aus den Kapillaren ins Gewebe austreten und seine Wirkung entfalten. Besonders wichtig ist hierbei die Blut-Hirn-Schranke: Sie ist eine Barriere, die das Gehirn vor vielen Substanzen schützt. Nicht jeder Wirkstoff kann diese Schranke passieren.
Metabolismus (Stoffwechsel)
Dein Körper betrachtet viele Wirkstoffe zunächst als Fremdstoffe, die er wieder loswerden möchte. Die Leber ist das Hauptorgan des Stoffwechsels. Dort werden die Wirkstoffe durch Enzyme chemisch verändert (biotransformiert). Manchmal entstehen dabei erst die eigentlich wirksamen Formen (Prodrugs), meistens jedoch werden die Stoffe so umgewandelt, dass sie wasserlöslich werden und besser ausgeschieden werden können. Hier treten auch die meisten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf, wenn verschiedene Wirkstoffe um dieselben Leberenzyme konkurrieren.
Exkretion (Ausscheidung)
Schließlich müssen der Wirkstoff oder seine Abbauprodukte den Körper wieder verlassen. Dies geschieht primär über die Nieren mit dem Urin. Einige Stoffe werden auch über die Galle in den Darm abgegeben und mit dem Stuhl ausgeschieden oder über die Lunge abgeatmet. Die Geschwindigkeit der Ausscheidung bestimmt, wie lange ein Medikament wirkt und wie oft du es einnehmen musst.
Pharmakodynamik: Wie der Wirkstoff die Heilung auslöst
Während die Pharmakokinetik den Weg beschreibt, erklärt die Pharmakodynamik die eigentliche Wirkung am Zielort. Wirkstoffe arbeiten meist nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Sie suchen nach spezifischen Bindungsstellen im Körper, den sogenannten Rezeptoren.
Stell dir den Rezeptor wie ein Schloss auf der Oberfläche einer Zelle vor. Der Wirkstoff ist der passende Schlüssel. Wenn er andockt, löst er eine Kette von Reaktionen im Inneren der Zelle aus. Er kann einen Prozess aktivieren (Agonist) oder eine Bindungsstelle blockieren, damit ein körpereigener Stoff dort nicht mehr wirken kann (Antagonist). Ein bekanntes Beispiel für einen Blocker sind Betablocker, die die Rezeptoren am Herzen besetzen, damit Stresshormone wie Adrenalin dort nicht mehr andocken können – der Puls sinkt und das Herz wird entlastet.
Wirkstoffe können aber auch an Enzymen ansetzen. Schmerzmittel wie Ibuprofen blockieren beispielsweise ein Enzym, das für die Produktion von Entzündungsstoffen zuständig ist. Wenn das Enzym blockiert ist, entstehen weniger dieser Stoffe, und die Schmerzwahrnehmung sinkt.
Wichtige Wirkstoffgruppen und ihre Anwendungsgebiete
In der Medizin gibt es tausende verschiedene Wirkstoffe. Um den Überblick zu behalten, werden sie in Gruppen zusammengefasst, die meist ein ähnliches Wirkprinzip verfolgen. Die folgende Tabelle zeigt dir einige der wichtigsten Gruppen, denen du im Alltag begegnen könntest.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wirkweise | Anwendung bei… |
|---|---|---|---|
| Analgetika | Paracetamol, Ibuprofen | Schmerzstillend, fiebersenkend | Kopfschmerzen, Entzündungen |
| Antibiotika | Amoxicillin, Penicillin | Töten Bakterien ab oder hemmen Wachstum | Bakterielle Infektionen |
| Antihypertonika | Ramipril, Metoprolol | Senken den Blutdruck | Bluthochdruck, Herzschwäche |
| Antidiabetika | Metformin, Insulin | Regulieren den Blutzuckerspiegel | Diabetes mellitus |
| Antihistaminika | Cetirizin, Loratadin | Blockieren Histamin-Rezeptoren | Allergien, Heuschnupfen |
| Protonenpumpenhemmer | Omeprazol, Pantoprazol | Hemmen die Magensäureproduktion | Sodbrennen, Magengeschwüre |
Die Dosis macht das Gift: Das therapeutische Fenster
Ein Wirkstoff ist nur dann hilfreich, wenn er in der richtigen Konzentration vorliegt. Diesen Bereich nennen Mediziner das „therapeutische Fenster“. Liegt die Konzentration darunter, tritt keine Wirkung ein. Liegt sie darüber, steigt das Risiko für giftige (toxische) Nebenwirkungen massiv an.
Jeder Mensch verarbeitet Wirkstoffe unterschiedlich schnell. Faktoren wie Alter, Körpergewicht, Geschlecht und vor allem die Funktion von Leber und Nieren spielen eine entscheidende Rolle. Deshalb muss bei manchen Wirkstoffen (z. B. bei bestimmten Herzmedikamenten oder Blutverdünnern) regelmäßig der Wirkstoffspiegel im Blut gemessen werden (Therapeutisches Drug Monitoring), um sicherzustellen, dass man sich innerhalb dieses sicheren Fensters bewegt. Halte dich daher immer strikt an die verordnete Dosierung und versuche niemals, eine vergessene Dosis durch die doppelte Menge auszugleichen.
Bioverfügbarkeit: Wie viel kommt wirklich an?
Nicht die gesamte Menge an Wirkstoff, die du schluckst, kommt auch tatsächlich an deinem Zielort an. Die Bioverfügbarkeit gibt an, welcher Prozentsatz der verabreichten Dosis unverändert im Blutkreislauf landet. Bei einer intravenösen Spritze liegt sie bei 100 Prozent. Bei Tabletten ist sie oft deutlich niedriger.
Ein wichtiger Faktor hierbei ist der „First-Pass-Effekt“. Wirkstoffe, die über den Darm aufgenommen werden, gelangen über die Pfortader zuerst direkt in die Leber. Dort wird ein Teil des Stoffs bereits abgebaut, noch bevor er den restlichen Körper erreichen kann. Die pharmazeutische Forschung arbeitet ständig daran, die Bioverfügbarkeit durch neue Transportformen (z. B. Nanopartikel oder spezielle Überzüge) zu verbessern, damit die notwendige Dosis so gering wie möglich gehalten werden kann.
Generika: Gleicher Wirkstoff, anderer Name
Wenn ein Pharmaunternehmen einen neuen Wirkstoff entwickelt, erhält es ein Patent für eine bestimmte Zeit. Nach Ablauf dieses Patents dürfen andere Hersteller das Medikament nachbauen. Diese Nachahmerprodukte nennt man Generika. Sie enthalten den exakt gleichen Wirkstoff in der gleichen Konzentration und Qualität.
Der Vorteil von Generika ist der deutlich günstigere Preis, da die hohen Entwicklungskosten für die Erstanbieter wegfallen. Dennoch gibt es manchmal Unterschiede bei den Hilfsstoffen. Wenn du ein Generikum nicht verträgst, liegt das fast nie am Wirkstoff selbst, sondern meist an einem Farbstoff, Bindemittel oder Geschmackstoff im Nachahmerprodukt. In der Regel kannst du jedoch bedenkenlos zum günstigeren Generikum greifen, da die Bioäquivalenz (die gleiche Wirksamkeit im Körper) streng geprüft wird.
Wechselwirkungen: Konkurrenz und Verstärkung im Körper
Nimmst du zwei oder mehr Wirkstoffe gleichzeitig ein, können diese sich gegenseitig beeinflussen. Dies geschieht oft auf der Ebene der Leberenzyme. Ein Wirkstoff kann zum Beispiel das Enzym blockieren, das ein anderes Medikament abbauen soll. Die Folge: Der Wirkstoffspiegel des zweiten Medikaments steigt unkontrolliert an, was zu schweren Nebenwirkungen führen kann.
Umgekehrt gibt es Wirkstoffe, die Enzyme „induzieren“, also ihre Aktivität steigern. Dann wird ein anderes Medikament viel zu schnell abgebaut und verliert seine Wirkung. Klassisches Beispiel ist Johanniskraut, das den Abbau der Antibabypille oder von Herzmedikamenten so stark beschleunigen kann, dass diese nicht mehr sicher wirken. Informiere deinen Arzt oder Apotheker daher immer über alle Wirkstoffe, die du verwendest – auch über pflanzliche Präparate und Vitamine.
Nebenwirkungen: Der Preis der Wirksamkeit
Es gibt kaum einen Wirkstoff, der völlig ohne Nebenwirkungen auskommt. Da Wirkstoffe über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt werden, docken sie manchmal auch an Rezeptoren an, an denen sie eigentlich gar nicht wirken sollen. Ein Medikament gegen Bluthochdruck kann zum Beispiel auch Rezeptoren in der Lunge beeinflussen und dort zu Reizhusten führen.
Man unterscheidet zwischen dosisabhängigen Nebenwirkungen (die bei jedem auftreten können, wenn die Menge zu hoch ist) und allergischen Reaktionen. Letztere sind unabhängig von der Dosis: Hier reagiert dein Immunsystem fälschlicherweise auf den Wirkstoff als gefährlichen Eindringling. Wenn du nach der Einnahme eines neuen Wirkstoffs Hautausschlag, Atemnot oder Schwellungen bemerkst, musst du die Einnahme sofort stoppen und ärztliche Hilfe suchen.
Die Halbwertszeit: Wie lange bleibt der Wirkstoff?
Die Halbwertszeit ist eine wichtige Kenngröße für jeden Wirkstoff. Sie gibt an, in welcher Zeit die Konzentration des Stoffs im Blut um die Hälfte sinkt. Wirkstoffe mit einer kurzen Halbwertszeit (z. B. wenige Stunden) müssen mehrmals täglich eingenommen werden, um einen konstanten Spiegel zu halten. Stoffe mit einer langen Halbwertszeit (z. B. mehrere Tage) werden nur einmal täglich oder sogar nur einmal wöchentlich verabreicht.
Wichtig ist dies auch beim Absetzen von Medikamenten. Ein Wirkstoff ist nicht sofort aus dem Körper verschwunden, wenn du die letzte Tablette nimmst. Es dauert in der Regel etwa fünf Halbwertszeiten, bis eine Substanz nahezu vollständig ausgeschieden ist. Bei Wirkstoffen mit langer Halbwertszeit kann dies Wochen dauern, was bei der Umstellung auf neue Medikamente berücksichtigt werden muss.
Pharmakogenetik: Warum Wirkstoffe bei jedem anders wirken
Hast du dich schon einmal gewundert, warum dein Nachbar ein Schmerzmittel hervorragend verträgt, während es bei dir kaum Wirkung zeigt? Die Antwort liegt oft in deinen Genen. Die Pharmakogenetik untersucht, wie genetische Unterschiede den Stoffwechsel von Medikamenten beeinflussen.
Manche Menschen sind „Ultra-Schnell-Metabolisierer“. Ihre Leberenzyme arbeiten so effizient, dass bestimmte Wirkstoffe abgebaut werden, bevor sie überhaupt wirken können. Andere sind „Langsam-Metabolisierer“: Bei ihnen reichert sich der Wirkstoff an, was schon bei normalen Dosen zu Vergiftungserscheinungen führt. In der Zukunft wird es immer üblicher werden, vor einer Therapie einen Gentest durchzuführen, um die Wirkstoffdosis individuell und präzise auf den Patienten zuzuschneiden.
Lagerung von Wirkstoffen: Chemische Stabilität erhalten
Wirkstoffe sind chemische Verbindungen, die auf ihre Umwelt reagieren. Wärme, Feuchtigkeit und Licht können die molekulare Struktur verändern. Wenn ein Wirkstoff zerfällt, verliert er nicht nur seine Wirkung, sondern es können sogar schädliche Abbauprodukte entstehen.
- Lagere Medikamente niemals im Badezimmer (zu feucht).
- Schütze lichtempfindliche Wirkstoffe vor direkter Sonneneinstrahlung.
- Beachte die Kühlkette bei biotechnologischen Wirkstoffen (z. B. Insulin).
- Bewahre Wirkstoffe immer in der Originalverpackung auf, da diese oft speziell beschichtet ist.
Ein abgelaufenes Medikament solltest du entsorgen, da die Stabilität des Wirkstoffs nach dem Verfallsdatum nicht mehr garantiert ist. Besonders bei flüssigen Darreichungsformen wie Augentropfen oder Säften ist Vorsicht geboten, da sich hier zudem Keime vermehren können.
Wirkstoffe in der Forschung: Die Medizin von morgen
Die Suche nach neuen Wirkstoffen ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Vor allem bei Antibiotika werden neue Wirkprinzipien dringend benötigt, da immer mehr Bakterien Resistenzen entwickeln. Ein Wirkstoff, gegen den Bakterien resistent sind, kann deren Wachstum nicht mehr stoppen – das „Schloss“ hat sich quasi verändert, und der „Schlüssel“ passt nicht mehr.
Ein weiterer großer Trend ist die mRNA-Technologie. Hier wird nicht der Wirkstoff selbst verabreicht, sondern eine Bauanleitung (mRNA). Dein Körper produziert den Wirkstoff (meist ein Protein für das Immunsystem) dann einfach selbst. Diese Methode hat bereits bei Impfstoffen revolutionäre Erfolge gefeiert und wird nun intensiv für die Behandlung von Krebs und Erbkrankheiten erforscht. Die Zukunft gehört Wirkstoffen, die noch gezielter, verträglicher und individueller wirken.
Häufige Fragen zu medizinischen Wirkstoffen
Warum muss ich manche Tabletten auf nüchternen Magen einnehmen?
Ein leerer Magen stellt sicher, dass der Wirkstoff schnell in den Dünndarm gelangt und dort optimal aufgenommen werden kann. Nahrungsmittel enthalten oft Substanzen, die den Wirkstoff binden oder dessen Aufnahme behindern. Zudem verändert Nahrung den pH-Wert im Magen, was manche empfindlichen Wirkstoffe zerstören könnte. „Nüchtern“ bedeutet in der Regel: mindestens eine halbe bis eine Stunde vor dem Essen oder zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem Wirkstoffnamen und dem Handelsnamen?
Ja, und das ist oft verwirrend. Der Wirkstoffname (z. B. Ibuprofen oder Paracetamol) ist der international gültige Name der chemischen Substanz (INN – International Nonproprietary Name). Der Handelsname hingegen ist der Markenname, den ein Pharmaunternehmen seinem Produkt gibt (z. B. Aspirin für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure). Wenn du in der Apotheke ein Medikament kaufst, steht der Wirkstoffname meist klein unter dem Markennamen. Achte immer auf den Wirkstoff, um Doppeleinnahmen zu vermeiden, wenn du verschiedene Präparate verwendest.
Können Wirkstoffe über die Haut genauso gut wirken wie als Tablette?
Das hängt stark vom Molekül ab. Die Haut ist ein sehr guter Schutzpanzer. Nur kleine, fettlösliche Wirkstoffe können die Hautbarriere durchdringen und in die Blutbahn gelangen. Bei Schmerzpflastern oder Hormonpflastern funktioniert das hervorragend und bietet den Vorteil eines sehr konstanten Wirkstoffspiegels. Bei den meisten Medikamenten ist der Weg über den Magen-Darm-Trakt oder per Spritze jedoch effektiver, da die Haut für die meisten großen Wirkstoffmoleküle undurchdringlich ist.
Was passiert, wenn ein Wirkstoff „ausgeschlichen“ werden muss?
Manche Wirkstoffe greifen so tief in die Regulation des Körpers ein, dass sich der Organismus an sie gewöhnt (z. B. Kortison oder bestimmte Antidepressiva). Würdest du sie von heute auf morgen absetzen, käme es zu heftigen Entzugs- oder Rebound-Effekten, da der Körper die eigene Produktion von Stoffen eingestellt hat. Beim Ausschleichen wird die Dosis über Wochen ganz langsam reduziert, damit der Körper Zeit hat, seine natürlichen Funktionen wieder selbst zu übernehmen.
Warum wirken Medikamente bei Kindern oft anders?
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Stoffwechsel ist noch nicht voll entwickelt. Die Enzyme in der Leber arbeiten anders, und die Nieren scheiden Stoffe oft schneller oder langsamer aus. Zudem ist der Wasseranteil im Körper eines Kindes höher, was die Verteilung von wasserlöslichen Wirkstoffen verändert. Deshalb müssen Wirkstoffe bei Kindern fast immer individuell nach dem Körpergewicht berechnet werden. Manche Wirkstoffe, die für Erwachsene harmlos sind, können bei Kindern schwere Schäden anrichten (z. B. ASS, das bei Kindern das seltene Reye-Syndrom auslösen kann).
Was ist die Bioäquivalenz bei Generika?
Damit ein Generikum zugelassen wird, muss der Hersteller in Studien nachweisen, dass es bioäquivalent zum Original ist. Das bedeutet, dass der Wirkstoff im gleichen Zeitraum und in der gleichen Konzentration im Blut erscheint wie beim Markenprodukt. Es gibt dabei eine kleine erlaubte Schwankungsbreite (meist 80 bis 125 Prozent), die jedoch medizinisch bei den meisten Wirkstoffen keine Rolle spielt. Bei Wirkstoffen mit einer sehr engen therapeutischen Breite wird jedoch oft empfohlen, beim einmal gewählten Präparat zu bleiben.
Können Wirkstoffe durch die Magensäure zerstört werden?
Ja, viele Wirkstoffe sind säureempfindlich. Wenn sie einfach so in den Magen gelangten, würden sie inaktiviert werden. Um das zu verhindern, nutzen Apotheker Hilfsstoffe für einen magensaftresistenten Überzug. Diese Schicht löst sich erst auf, wenn der pH-Wert im Dünndarm ansteigt. Deshalb ist es extrem wichtig, solche Tabletten oder Kapseln niemals zu zerteilen oder zu mörsern, da sonst der Schutzfilm zerstört wird und der Wirkstoff wirkungslos verpufft.
Sind natürliche Wirkstoffe immer sicherer als chemische?
Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Natur hat einige der stärksten Gifte hervorgebracht. Die Wirkung eines Stoffs hängt von seiner chemischen Struktur ab, nicht von seiner Herkunft. Natürliche Wirkstoffe können ebenfalls schwere Nebenwirkungen haben oder Leberschäden verursachen. Der Vorteil chemischer Wirkstoffe ist oft die exakte Dosierbarkeit und die Reinheit. Der Vorteil natürlicher Vielstoffgemische ist manchmal eine bessere Verträglichkeit durch Begleitstoffe. Am Ende zählt immer die wissenschaftliche Prüfung von Sicherheit und Wirksamkeit.