Was ist Pertussis oder Keuchhusten?

Du fragst dich, was genau Pertussis, auch bekannt als Keuchhusten, ist und welche Risiken damit verbunden sind? Diese Informationen sind essenziell für Eltern, Betroffene und alle, die sich vor dieser hochansteckenden bakteriellen Atemwegserkrankung schützen möchten.

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Was ist Pertussis (Keuchhusten)?

Pertussis, umgangssprachlich als Keuchhusten bekannt, ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Sie wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und ist durch charakteristische krampfartige Hustenanfälle gekennzeichnet, die typischerweise von einem keuchenden Geräusch beim Einatmen gefolgt werden. Obwohl Pertussis oft als Kinderkrankheit betrachtet wird, kann sie Menschen jeden Alters betreffen und stellt insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder eine erhebliche Gefahr dar.

Erreger und Übertragung

Der Hauptverursacher von Pertussis ist das Bakterium Bordetella pertussis. In selteneren Fällen können auch die eng verwandten Arten Bordetella parapertussis und Bordetella bronchiseptica eine ähnliche Erkrankung hervorrufen, wobei die Symptome oft milder verlaufen.

Die Übertragung von Keuchhusten erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion. Das bedeutet, dass die Bakterien über kleinste Tröpfchen in der Luft verbreitet werden, die beim Husten, Niesen oder Sprechen von einer infizierten Person ausgestoßen werden. Diese Tröpfchen können dann von anderen Personen eingeatmet werden und so zur Infektion führen.

Die Ansteckungsfähigkeit ist besonders hoch in der frühen Phase der Erkrankung, bevor die typischen Hustenanfälle auftreten. Auch nach Abklingen der Symptome können infizierte Personen noch über einen gewissen Zeitraum ansteckend sein. Eine direkte Übertragung über kontaminierte Oberflächen (Schmierinfektion) ist ebenfalls möglich, spielt aber eine untergeordnete Rolle.

Symptome von Pertussis

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt in der Regel zwischen 7 und 20 Tagen, kann aber auch bis zu 42 Tage dauern.

Der typische Verlauf einer Pertussis-Erkrankung lässt sich in mehrere Stadien einteilen:

  • Stadium catarrhale (katarrhalisches Stadium): Dieses Stadium dauert etwa 1 bis 2 Wochen und ist durch unspezifische Erkältungssymptome gekennzeichnet. Dazu gehören laufende Nase, leichte Halsschmerzen, gelegentlicher Husten und leichtes Fieber. In dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr bereits hoch, die Symptome sind aber kaum von einer gewöhnlichen Erkältung zu unterscheiden.
  • Stadium convulsivum (paroxysmales Stadium): Dieses Stadium ist das charakteristischste und kann 2 bis 6 Wochen, manchmal sogar länger, andauern. Es ist geprägt von schweren, anfallsartigen Hustenattacken (Paroxysmen). Diese Hustenanfälle bestehen aus einer Serie von schnell aufeinanderfolgenden Hustenstößen, die so heftig sind, dass die Betroffenen kaum noch Luft bekommen. Nach dem Hustenanfall folgt oft eine tiefe, keuchende Einatmung, die das namensgebende „Keuchen“ verursacht. Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Hustenanfälle auch zu Atemstillständen (Apnoe) führen, ohne dass ein typisches Keuchen auftritt.
    • Weitere Symptome in diesem Stadium können sein:
    • Erbrechen nach Hustenanfällen
    • Gesichtsrötung oder bläuliche Verfärbung des Gesichts während des Hustens
    • Tränenfluss
    • Schlafstörungen und Erschöpfung
  • Stadium decrementi (Erholungsstadium): In den folgenden Wochen (oft 3 bis 6 Wochen) nehmen die Hustenanfälle allmählich ab, sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Intensität. Die Betroffenen erholen sich langsam, können aber noch über Monate zu Hustenattacken neigen, insbesondere bei Reizung der Atemwege durch Kälte, Anstrengung oder Infektionen.

Bei geimpften Personen oder nach einer durchgemachten Infektion kann der Verlauf von Pertussis milder sein und atypische Symptome aufweisen. Bei Erwachsenen sind die Hustenanfälle oft weniger ausgeprägt und die Erkrankung wird nicht immer als Keuchhusten erkannt, was sie zu einer potenziellen Quelle der Ansteckung für empfindlichere Personen macht.

Risikogruppen und Komplikationen

Während Pertussis grundsätzlich jeden betreffen kann, sind bestimmte Gruppen besonders gefährdet:

  • Säuglinge und Kleinkinder unter 1 Jahr: Dies ist die am stärksten gefährdete Gruppe. Bei ihnen kann Pertussis zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungenentzündung (Pneumonie), Gehirnschäden durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) und plötzlichem Kindstod führen. Die typischen Hustenanfälle können bei Säuglingen sogar zu Atemstillständen führen, was ein extrem gefährliches Zeichen ist.
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem: Personen mit chronischen Erkrankungen, Immunschwäche oder Personen, die immunsuppressive Medikamente einnehmen, haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen.
  • Ältere ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Erwachsene: Obwohl der Verlauf bei Erwachsenen oft milder ist, können sie dennoch schwere Hustenattacken erleben, die zu Erschöpfung und sekundären Infektionen führen. Sie stellen zudem eine bedeutende Quelle der Ansteckung für Kleinkinder dar.

Mögliche Komplikationen von Pertussis umfassen:

  • Lungenentzündung (Pneumonie): Eine häufige und potenziell gefährliche Komplikation, die durch das Eindringen von Bakterien oder Viren in die Lunge entsteht.
  • Atemstillstand (Apnoe): Besonders bei Säuglingen eine lebensbedrohliche Komplikation.
  • Gehirnschäden: Verursacht durch wiederholten Sauerstoffmangel während der Hustenanfälle.
  • Gewichtsverlust und Dehydrierung: Durch Erbrechen nach Hustenanfällen und Appetitlosigkeit.
  • Rippenbrüche: Durch die extreme Anstrengung bei den Hustenanfällen.
  • Ohrinfektionen (Otitis media).
  • Bruch des Nabels oder Leistenbruch.

Diagnose von Pertussis

Die Diagnose von Pertussis kann aufgrund der unspezifischen Symptome in der Anfangsphase herausfordernd sein. Bei Verdacht werden in der Regel folgende Methoden angewendet:

  • Klinische Symptome: Die charakteristischen Hustenanfälle sind ein starker Hinweis, insbesondere bei Kindern.
  • Nasen-Rachen-Abstrich: Eine Probe aus dem Nasen- oder Rachenraum wird entnommen und im Labor auf Bordetella pertussis untersucht. Dies kann mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) erfolgen, um das Erbgut des Bakteriums nachzuweisen, oder durch Anzüchten des Bakteriums (Kultur).
  • Blutuntersuchung: Ein Blutbild kann erhöhte Leukozyten (weiße Blutkörperchen) zeigen, was auf eine Infektion hindeuten kann. Antikörpertests im Blut können auch durchgeführt werden, um eine durchgemachte Infektion oder eine Impfantwort nachzuweisen, sind aber in der akuten Phase weniger zuverlässig.

Behandlung von Pertussis

Die Behandlung von Pertussis konzentriert sich hauptsächlich auf die Linderung der Symptome und die Verhinderung von Komplikationen. Eine Antibiotikatherapie ist notwendig, um die Bakterien abzutöten und die Ansteckungszeit zu verkürzen. Wichtig ist dabei, dass die Antibiotika möglichst früh im Krankheitsverlauf verabreicht werden, um die Schwere der Erkrankung zu mildern. Nach Beginn der Antibiotikatherapie ist die Ansteckungsfähigkeit in der Regel nach 5 Tagen deutlich reduziert.

Folgende Maßnahmen sind Teil der Behandlung:

  • Antibiotika: Makrolid-Antibiotika wie Azithromycin, Clarithromycin oder Erythromycin sind die Mittel der Wahl. Die Wahl des Antibiotikums und die Dauer der Behandlung richten sich nach dem Alter des Patienten und dem Schweregrad der Erkrankung.
  • Symptomatische Behandlung: Da es keine Medikamente gibt, die die Hustenanfälle direkt unterdrücken, liegt der Fokus auf der unterstützenden Pflege.
    • Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine engmaschige Überwachung, insbesondere auf Anzeichen von Atemnot oder Atemstillständen, unerlässlich. In schweren Fällen kann eine Krankenhausbehandlung mit Sauerstofftherapie und engmaschiger Überwachung der Vitalfunktionen notwendig sein.
    • Zur Erleichterung des Atmens und zur Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme können kleine, häufige Mahlzeiten empfohlen werden.
    • Ruhe und eine reizfreie Umgebung können helfen, Hustenanfälle zu minimieren.
    • Hustenstiller sollten wegen ihrer geringen Wirksamkeit und potenziellen Nebenwirkungen in der Regel vermieden werden.

Die Behandlung von Pertussis erfordert Geduld, da die Genesung langwierig sein kann. Besonders wichtig ist die engmaschige Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern durch medizinisches Fachpersonal.

Prävention durch Impfung

Die wichtigste und wirksamste Maßnahme zur Prävention von Pertussis ist die Impfung. In Deutschland ist die Impfung gegen Pertussis Teil des Standardimpfprogramms der Ständigen Impfkommission (STIKO) und wird für Kinder empfohlen. Die Impfung erfolgt in Kombination mit anderen Impfstoffen, typischerweise als Tdap-IPV-Hib-Kombinationsimpfstoff.

Der Impfplan sieht in der Regel folgende Impfungen vor:

  • Grundimmunisierung im Säuglingsalter: Meist im Alter von 2, 4 und 11 Monaten.
  • Auffrischungsimpfungen im Kindesalter: Üblicherweise im Alter von 5 bis 6 Jahren und im Jugendalter (9 bis 17 Jahre).

Da der Impfschutz mit der Zeit nachlässt und auch bei vollständig geimpften Personen nicht immer 100%igen Schutz bietet, sind Auffrischungsimpfungen im Erwachsenenalter ebenfalls von großer Bedeutung. Insbesondere Personen, die engen Kontakt zu Säuglingen haben (z.B. Eltern, Großeltern, Betreuungspersonal), sollten eine Auffrischungsimpfung in Erwägung ziehen, um die Kleinsten zu schützen.

Die Impfung schützt nicht nur den Geimpften selbst, sondern trägt auch zur sogenannten Herdenimmunität bei. Je höher die Impfrate in einer Bevölkerung, desto besser ist die Gemeinschaft vor der Ausbreitung der Krankheit geschützt. Dies ist besonders wichtig, um die gefährdeten Gruppen, die nicht geimpft werden können oder bei denen die Impfung keinen ausreichenden Schutz bietet, zu schützen.

Pertussis: Eine Übersicht

Aspekt Beschreibung
Erreger Bakterium Bordetella pertussis
Übertragung Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen, Sprechen
Inkubationszeit 7-20 Tage (bis zu 42 Tage möglich)
Hauptsymptome Charakteristische, krampfartige Hustenanfälle (Paroxysmen), oft gefolgt von einem keuchenden Geräusch beim Einatmen; bei Säuglingen auch Atemstillstände
Risikogruppen Säuglinge und Kleinkinder unter 1 Jahr, Personen mit geschwächtem Immunsystem, ungeimpfte/unvollständig geimpfte Personen
Diagnose Klinische Symptome, Nasen-Rachen-Abstrich (PCR/Kultur), Blutuntersuchung
Behandlung Antibiotika zur Abtötung der Bakterien und Verkürzung der Ansteckungszeit; unterstützende Maßnahmen zur Symptomlinderung; ggf. Krankenhausaufenthalt bei Säuglingen
Prävention Impfung (Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen), Hygiene-Maßnahmen

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Was ist Pertussis oder Keuchhusten?

Kann man Keuchhusten bekommen, wenn man geimpft ist?

Ja, es ist möglich, an Pertussis zu erkranken, auch wenn man geimpft ist. Die Impfung bietet jedoch einen sehr guten Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf und lebensbedrohlichen Komplikationen. Der Impfschutz lässt im Laufe der Zeit nach, daher sind Auffrischungsimpfungen wichtig. Geimpfte Personen erkranken in der Regel milder und sind kürzer ansteckend.

Wie lange ist jemand mit Keuchhusten ansteckend?

Eine Person mit Pertussis ist am ansteckendsten in der frühen Phase der Erkrankung (Stadium catarrhale), bevor die typischen Hustenanfälle beginnen. Auch in den ersten Wochen des Stadiums convulsivum besteht noch eine hohe Ansteckungsfähigkeit. Nach Beginn einer Antibiotikatherapie ist die Ansteckungsfähigkeit in der Regel nach etwa 5 Tagen deutlich reduziert.

Warum ist Keuchhusten für Säuglinge so gefährlich?

Säuglinge haben ein noch nicht vollständig entwickeltes Immunsystem und ihre Atemwege sind sehr eng. Die Hustenanfälle können bei ihnen zu gefährlichen Atemstillständen (Apnoe) führen, was eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff zur Folge hat. Dies kann schwere, bleibende Hirnschäden verursachen oder sogar zum Tod führen. Daher ist die Impfung von Säuglingen und der Schutz von Säuglingen durch die Impfung der Kontaktpersonen von größter Bedeutung.

Kann man Keuchhusten mehrmals im Leben bekommen?

Ja, man kann Keuchhusten mehrmals im Leben bekommen. Eine durchgemachte Infektion oder eine Impfung bietet zwar einen gewissen Immunschutz, dieser ist jedoch nicht unbedingt lebenslang und kann durch verschiedene Stämme des Bakteriums beeinflusst werden. Insbesondere bei Erwachsenen kann eine erneute Infektion mit milderen Symptomen auftreten, was dazu führen kann, dass die Krankheit nicht als Pertussis erkannt wird und die Person unwissentlich andere ansteckt.

Welche Rolle spielt die Hygiene bei der Verhinderung von Keuchhusten?

Während die Impfung die wichtigste Präventionsmaßnahme ist, spielen auch grundlegende Hygienemaßnahmen eine unterstützende Rolle. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen, besonders nach dem Husten oder Niesen und vor dem Berühren von Oberflächen. Das Abdecken von Mund und Nase beim Husten oder Niesen (in die Armbeuge oder ein Taschentuch) hilft, die Verbreitung von Tröpfchen zu minimieren.

Kann eine schwangere Frau Keuchhusten bekommen und ihr Kind anstecken?

Ja, eine schwangere Frau kann Keuchhusten bekommen. Wenn sie infiziert ist, kann sie ihr ungeborenes Kind anstecken, was für das Neugeborene besonders gefährlich ist. Daher wird eine Impfung gegen Pertussis auch für Schwangere empfohlen, idealerweise zwischen der 27. und 37. Schwangerschaftswoche jeder Schwangerschaft. Dies ermöglicht den Transfer von Antikörpern auf das Kind über die Plazenta und bietet dem Neugeborenen einen frühen Schutz.

Wie lange dauert die Genesung von Keuchhusten?

Die Genesung von Keuchhusten ist ein langwieriger Prozess. Das katarrhalische Stadium dauert etwa 1-2 Wochen, das Stadium der Hustenanfälle (paroxysmal) kann 2-6 Wochen, manchmal auch länger, andauern. Danach folgt das Erholungsstadium, in dem die Hustenanfälle allmählich abklingen, aber noch über Wochen oder sogar Monate hinweg auftreten können, insbesondere bei Reizung der Atemwege. Die vollständige Genesung kann mehrere Monate dauern.

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