Was ist Keuchhusten?

Du fragst dich, was Keuchhusten genau ist und warum diese Krankheit trotz Impfung immer noch relevant ist? Diese Informationen sind essenziell für Eltern, Erziehungsberechtigte und alle, die im Umfeld von Kindern leben oder arbeiten, um Anzeichen zu erkennen, Ansteckungswege zu verstehen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

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Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten, medizinisch als Pertussis bezeichnet, ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht wird. Charakteristisch für Keuchhusten sind schubweise auftretende, quälende Hustenanfälle, gefolgt von einem keuchenden Atemgeräusch beim Einatmen – daher der Name. Diese Anfälle können so stark sein, dass sie zu Erbrechen, Erschöpfung und in schweren Fällen zu ernsthaften Komplikationen führen können. Auch wenn die Krankheit nach dem Namensgeber häufig mit Kindern in Verbindung gebracht wird, kann sie Menschen jeden Alters betreffen, wobei Säuglinge und Kleinkinder besonders gefährdet sind.

Ursachen und Erreger von Keuchhusten

Die Ursache von Keuchhusten sind die Bakterien der Gattung Bordetella, hauptsächlich Bordetella pertussis. Seltener können auch Bordetella parapertussis oder Bordetella bronchiseptica ähnliche Symptome hervorrufen. Diese Bakterien sind gramnegative Stäbchen, die sich in den Schleimhäuten der oberen und unteren Atemwege festsetzen. Sie produzieren verschiedene Toxine und Proteine, die eine Entzündungsreaktion auslösen und die charakteristischen Hustensymptome verursachen. Insbesondere das Pertussis-Toxin spielt eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese der Krankheit.

Übertragungswege

Keuchhusten ist äußerst ansteckend und verbreitet sich primär durch Tröpfcheninfektion. Das bedeutet, dass die Bakterien über winzige Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen von einer infizierten Person freigesetzt werden, auf andere Personen übertragen werden können. Diese Tröpfchen können von anderen Menschen eingeatmet werden oder auf Schleimhäute (Augen, Nase, Mund) gelangen. Die Ansteckungsgefahr ist besonders hoch in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung, wie zum Beispiel in Kindergärten, Schulen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Ansteckung kann auch durch direkten Kontakt mit kontaminierten Oberflächen erfolgen, auch wenn dies eine untergeordnete Übertragungsart darstellt.

Symptome von Keuchhusten

Die Symptome von Keuchhusten entwickeln sich typischerweise in mehreren Stadien:

  • Stadium I (Katarrhalisches Stadium): Dies ist die früheste Phase, die etwa ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung beginnt. Die Symptome sind unspezifisch und ähneln einer Erkältung: Schnupfen, leichtes Fieber, Husten und Niesen. In dieser Phase sind die Betroffenen bereits ansteckend, aber die typischen Keuchhusten-Symptome fehlen noch.
  • Stadium II (Krampfhusten-Stadium): Nach etwa ein bis zwei Wochen intensivieren sich die Hustenanfälle. Sie treten nun gehäuft auf, insbesondere nachts und sind oft sehr heftig. Charakteristisch ist die sogenannte Paroxysmalphase, in der mehrere aufeinanderfolgende Hustenstöße ohne Luftholen auftreten. Nach diesen Hustenstößen folgt oft ein tiefes Einatmen, das ein typisches, keuchendes Geräusch verursacht (der „Keuchhusten“). In den Hustenpausen können die Betroffenen zunächst normal atmen. Es kann zu Erbrechen nach den Hustenanfällen, zur Blaufärbung der Lippen und des Gesichts (Zyanose) und zur Ausscheidung von zähem Schleim kommen. Dieses Stadium kann mehrere Wochen bis Monate dauern.
  • Stadium III (Rekonvaleszenzstadium): In dieser Erholungsphase lassen die Hustenanfälle allmählich nach. Die Hustenattacken werden seltener und weniger intensiv, und die Betroffenen erholen sich langsam. Dies kann noch mehrere Wochen andauern.

Bei gestillten Säuglingen können die Symptome untypisch sein und sich eher als Atempausen (Apnoen) äußern, was besonders gefährlich ist. Bei Erwachsenen und geimpften Personen, die sich erneut infizieren, können die Symptome milder verlaufen und eher wie ein hartnäckiger, trockener Husten erscheinen, was die Diagnose erschweren kann.

Diagnose von Keuchhusten

Die Diagnose von Keuchhusten stützt sich auf verschiedene Methoden:

  • Klinische Symptome: Die typischen Hustenanfälle sind oft ein starker Hinweis, besonders in der krampfhustenartigen Phase.
  • Laboruntersuchungen:
    • Nasen-Rachen-Abstrich: Mittels PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion) kann das Erbgut des Bakteriums nachgewiesen werden. Dies ist die sensitivste Methode, insbesondere in den frühen Krankheitsstadien.
    • Blutuntersuchung: Ein erhöhter Wert bestimmter weißer Blutkörperchen (Lymphozyten) und spezifische Antikörper im Blut (Nachweis mittels ELISA oder Immuno-Blotting) können auf eine Infektion hinweisen. Der Antikörpernachweis ist vor allem in späteren Stadien der Erkrankung sinnvoll.
  • Kultureller Nachweis: Das Bakterium kann aus Nasen-Rachen-Abstrichen angezüchtet werden, ist aber schwieriger und zeitaufwendiger als die PCR.

Behandlung von Keuchhusten

Die Behandlung von Keuchhusten zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Ausbreitung der Bakterien zu verhindern.

  • Antibiotika: Obwohl Antibiotika die Hustenattacken nicht direkt stoppen können, sind sie wichtig, um die Bakterien zu eliminieren und die Ansteckungszeit zu verkürzen. Sie werden insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und Personen mit erhöhtem Risiko für Komplikationen eingesetzt. Auch Kontaktpersonen können präventiv Antibiotika erhalten. Gängige Antibiotika sind Makrolide wie Azithromycin, Clarithromycin oder Erythromycin.
  • Symptomatische Behandlung: Da es keine spezifische Heilung für die Hustenanfälle gibt, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden. Dazu gehören:
    • Ruhe und Schonung
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
    • Vermeidung von Reizstoffen wie Rauch
    • Kleinere, häufigere Mahlzeiten, um Erbrechen nach Hustenanfällen zu minimieren.
  • Krankenhausaufenthalt: Bei schweren Verläufen, insbesondere bei Säuglingen, kann eine stationäre Behandlung notwendig sein. Dies kann die Überwachung der Atmung, die Gabe von Sauerstoff und bei Bedarf die künstliche Beatmung umfassen.

Prävention: Impfung gegen Keuchhusten

Die wichtigste Maßnahme zur Prävention von Keuchhusten ist die Impfung. In Deutschland ist die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) Teil der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen. Die Impfung erfolgt in der Regel als Teil von Kombinationsimpfstoffen.

  • Grundimmunisierung: Die Grundimmunisierung bei Säuglingen besteht aus mehreren Impfdosen, die im Alter von 2, 4 und 11 Monaten verabreicht werden.
  • Auffrischimpfungen: Weitere Auffrischimpfungen sind im Alter von 5-6 Jahren und 9-17 Jahren vorgesehen.
  • Impfung bei Erwachsenen: Da die Immunität nach der Impfung mit der Zeit nachlässt und auch Geimpfte erkranken können (wenn auch meist milder), wird Erwachsenen, insbesondere solchen mit engem Kontakt zu Säuglingen (z.B. Eltern, Großeltern, Betreuungspersonen), eine Auffrischimpfung empfohlen. Dies ist besonders wichtig, da Säuglinge die schwerste Form von Keuchhusten erleiden können und oft von ihren älteren Geschwistern oder anderen engen Kontaktpersonen angesteckt werden.
  • Impfstoff: Es werden azelluläre Pertussis-Impfstoffe (aP) verwendet, die weniger Nebenwirkungen als die früheren Ganzkeim-Impfstoffe haben. Diese Impfstoffe enthalten gereinigte Bestandteile des Bakteriums und wirken als Immunogen.

Die Impfung schützt nicht nur den Geimpften selbst, sondern auch die Gemeinschaft (Herdenimmunität), indem sie die Verbreitung des Erregers reduziert.

Besonderheiten bei Säuglingen und Kleinkindern

Säuglinge, insbesondere solche unter sechs Monaten, haben das höchste Risiko für schwere Komplikationen und einen tödlichen Verlauf von Keuchhusten. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift, und die Hustenanfälle können zu gefährlichen Atempausen (Apnoen) führen, bei denen die Atmung kurzzeitig aussetzt. Dies kann zu Sauerstoffmangel im Gehirn und im ganzen Körper führen. Auch Erbrechen, Flüssigkeitsverlust, Gewichtsverlust und Lungenentzündung sind bei Säuglingen häufiger. Daher ist die frühzeitige Impfung von Säuglingen von größter Bedeutung.

Keuchhusten bei Erwachsenen und Jugendlichen

Bei Erwachsenen und älteren Jugendlichen verläuft eine Keuchhusten-Infektion oft milder. Die charakteristischen, schweren Hustenanfälle können fehlen, und die Krankheit kann mit einer hartnäckigen Bronchitis oder einer langwierigen Erkältung verwechselt werden. Dennoch können auch sie erhebliche Beschwerden erleiden und die Krankheit unwissentlich auf schutzbedürftige Säuglinge übertragen. Die nachlassende Immunität nach Impfungen macht auch ältere Personen wieder anfälliger für eine Infektion.

Komplikationen von Keuchhusten

Obwohl Keuchhusten heilbar ist, kann er zu verschiedenen Komplikationen führen, insbesondere bei den jüngsten und ältesten Patienten:

  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Mittelfraktur durch starke Hustenstöße
  • Gehirnschädigung durch Sauerstoffmangel bei Atempausen
  • Ernährungsstörungen durch häufiges Erbrechen
  • Schlafmangel und Erschöpfung
  • In seltenen Fällen Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)

Wichtigkeit der Herdenimmunität

Die Herdenimmunität spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Keuchhusten. Wenn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung geimpft ist, ist es für das Bakterium schwieriger, sich auszubreiten. Dies schützt auch diejenigen, die nicht geimpft werden können (z.B. aufgrund von Allergien oder Immunschwäche) oder bei denen die Impfung nicht vollständig wirksam war. Die Aufrechterhaltung hoher Impfraten ist daher für den Schutz der gesamten Gemeinschaft unerlässlich.

Zusammenfassung der Kerninformationen

Aspekt Beschreibung
Erreger Bakterium Bordetella pertussis
Übertragung Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen)
Typische Symptome Schubweiser, krampfartiger Husten mit keuchender Einatmung, oft mit Erbrechen; in frühen Stadien Erkältungssymptome.
Besonders gefährdete Gruppen Säuglinge und Kleinkinder (Risiko für Atempausen und schwere Komplikationen)
Diagnose Klinische Symptome, PCR-Nachweis aus Nasen-Rachen-Abstrich, Antikörpernachweis im Blut.
Behandlung Antibiotika (zur Reduktion der Ansteckungszeit), symptomatische Linderung, ggf. Krankenhausaufenthalt.
Prävention Impfung (Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen)

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Keuchhusten

Kann man Keuchhusten bekommen, auch wenn man geimpft ist?

Ja, eine Impfung bietet keinen 100%igen Schutz, insbesondere wenn die Impfung schon länger zurückliegt. Die Immunität kann mit der Zeit nachlassen. Allerdings verläuft die Krankheit bei geimpften Personen in der Regel deutlich milder und mit geringerem Risiko für schwere Komplikationen. Auffrischimpfungen sind daher wichtig, um den Schutz aufrechtzuerhalten.

Wie lange ist jemand mit Keuchhusten ansteckend?

Die Ansteckungszeit beginnt bereits im katarrhalischen Stadium (bevor die typischen Hustenanfälle auftreten) und dauert in der Regel etwa drei Wochen nach Beginn der ansteckenden Phase an. Bei Behandlung mit geeigneten Antibiotika kann die Ansteckungszeit verkürzt werden, oft auf etwa fünf Tage nach Beginn der Antibiose.

Sind Keuchhusten-Impfstoffe sicher?

Die heute verwendeten azellulären Pertussis-Impfstoffe (aP) sind sehr sicher. Sie enthalten Bestandteile des Bakteriums und keine ganzen, abgetöteten Bakterien mehr, was das Risiko für Nebenwirkungen erheblich reduziert. Häufige Nebenwirkungen sind leichte Reaktionen an der Einstichstelle, Fieber oder Unruhe. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Die Vorteile der Impfung überwiegen bei Weitem die potenziellen Risiken.

Warum ist Keuchhusten für Säuglinge so gefährlich?

Säuglinge unter sechs Monaten haben ein unreifes Immunsystem und ihre Atemwege sind noch sehr eng. Die schweren Hustenanfälle können bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atempausen (Apnoen) führen, bei denen die Atmung aussetzt. Dies kann zu schwerem Sauerstoffmangel im Gehirn und im gesamten Körper führen und im schlimmsten Fall tödlich sein. Daher ist die frühzeitige Impfung der Säuglinge und der engsten Kontaktpersonen so wichtig.

Kann Keuchhusten immer wieder auftreten?

Ja, die Immunität nach einer durchgemachten Infektion oder nach einer Impfung ist nicht lebenslang. Die Immunität kann mit der Zeit nachlassen, und es ist möglich, sich erneut mit Keuchhusten zu infizieren, insbesondere wenn die letzte Impfung oder Infektion lange zurückliegt. Daher sind Auffrischimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter empfohlen.

Wie unterscheidet sich Keuchhusten von einer normalen Erkältung oder Bronchitis?

Eine normale Erkältung oder Bronchitis hat meist weniger intensive und weniger krampfartige Hustenanfälle. Keuchhusten ist durch die charakteristischen, quälenden Hustenattacken gekennzeichnet, die oft mit einem keuchenden Geräusch beim Einatmen enden und häufig zu Erbrechen führen. Zudem ist Keuchhusten deutlich ansteckender und kann zu schwereren Komplikationen führen, insbesondere bei Säuglingen.

Ist es sinnvoll, dass auch Erwachsene gegen Keuchhusten geimpft werden?

Ja, das ist sehr sinnvoll. Viele Erwachsene erkranken an einer milderen Form von Keuchhusten, die sie als langanhaltenden Husten empfinden. Sie sind jedoch ansteckend und können die Krankheit unwissentlich auf Säuglinge und Kleinkinder übertragen, die besonders gefährdet sind. Eine Impfung von Erwachsenen, insbesondere von Eltern, Großeltern und Betreuungspersonen von Säuglingen, ist daher ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Schwächsten.

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