Diphtherie – Ursachen, Symptome und Therapien

Du suchst nach präzisen Informationen über Diphtherie, ihre Ursachen, die charakteristischen Symptome und die notwendigen Therapien? Dieser Leitfaden richtet sich an alle, die sich fundiert über diese potenziell gefährliche bakterielle Infektionskrankheit informieren möchten, von Eltern, die ihre Kinder schützen wollen, bis hin zu medizinischem Fachpersonal, das sein Wissen vertiefen möchte.

Was ist Diphtherie?

Diphtherie, auch als „kruppiger Husten“ oder „Brustbräune“ bekannt, ist eine akute, hochansteckende Infektionskrankheit, die primär durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae verursacht wird. Dieses Bakterium produziert ein potentes Toxin (Diphtherie-Toxin), das für die schwerwiegendsten Komplikationen der Erkrankung verantwortlich ist. Obwohl die Krankheit dank flächendeckender Impfungen in vielen Industrieländern selten geworden ist, stellt sie global immer noch eine ernsthafte Bedrohung dar. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion, also durch Husten, Niesen oder Sprechen infizierter Personen, aber auch über direkten Kontakt mit kontaminierten Gegenständen.

Ursachen der Diphtherie

Die primäre Ursache für Diphtherie ist eine Infektion mit dem Bakterium Corynebacterium diphtheriae. Dieses Gram-positive, pleomorphe Stäbchenbakterium ist in der Lage, ein Exotoxin zu produzieren. Nicht alle Stämme von Corynebacterium diphtheriae sind toxigen, aber es sind gerade die toxigenen Stämme, die die klassischen und gefährlichen Formen der Diphtherie hervorrufen. Die Toxinproduktion wird durch Lysogenie vermittelt, das heißt, das Bakterium muss von einem Phagen (einem Virus, das Bakterien infiziert) infiziert sein, der das Toxin-produzierende Gen (tox-Gen) trägt.

  • Bakterielle Infektion: Das Auslöserbakterium ist Corynebacterium diphtheriae.
  • Toxinproduktion: Nur toxigene Stämme produzieren das Diphtherie-Toxin, welches die eigentliche Krankheitsschwere bestimmt.
  • Übertragungswege:
    • Tröpfcheninfektion: Direkter Kontakt mit infektiösen Tröpfchen aus den Atemwegen eines Erkrankten oder asymptomatischen Trägers.
    • Schmierinfektion: Kontakt mit kontaminierten Objekten (z.B. Türklinken, Spielzeug) oder direkter Hautkontakt mit einer Hautdiphtherie.
  • Inkubationszeit: Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome beträgt typischerweise 2 bis 5 Tage, kann aber auch zwischen 1 und 10 Tagen variieren.

Formen und Symptome der Diphtherie

Diphtherie kann verschiedene Formen annehmen, abhängig von der Lokalisation der Infektion und der Ausprägung der Toxinwirkung. Die klassische und bekannteste Form ist die Rachendiphtherie (Pharynxdiphtherie), aber auch andere Lokalisationen wie Kehlkopf (Larynxtox), Nase (Nasendiphtherie) oder Haut (Hautdiphtherie) können betroffen sein.

Rachendiphtherie (Pharynxdiphtherie)

Dies ist die häufigste Form. Charakteristisch ist die Entwicklung von Pseudomembranen, grau-weißen, zähen Belägen, die sich auf den Mandeln, dem Rachen und teilweise auch dem Kehlkopf bilden. Diese Membranen sind schwer zu entfernen und bluten bei Versuch der Ablösung. Sie können den Rachenraum und den Kehlkopf blockieren und zu Atemnot führen.

  • Halsschmerzen: Oft mäßig stark, nicht immer das Hauptsymptom.
  • Fieber: Meist subfebril bis moderat erhöht.
  • Geschwollene Lymphknoten: Insbesondere die Halslymphknoten sind geschwollen und schmerzhaft, was zu einem typischen „Stierhals“-Aussehen führen kann.
  • Schlechter Allgemeinzustand: Müdigkeit, Abgeschlagenheit.
  • Pseudomembranen: Die pathognomonischen, oft schmierig aussehenden Beläge im Rachen.
  • Atemnot (Dyspnoe): Bei Fortschreiten der Erkrankung und Obstruktion der Atemwege durch Membranen.

Kehlkopfdiphtherie (Larynxtox)

Diese Form betrifft den Kehlkopf und ist besonders bei Kleinkindern gefährlich, da sie schnell zu einer lebensbedrohlichen Atemwegsobstruktion führen kann. Die Pseudomembranen bilden sich im Kehlkopf und führen zu Heiserkeit und einem bellenden Husten.

  • Heiserkeit: Stimmlosigkeit bis hin zu vollständigem Stimmverlust.
  • Bellender Husten: Ähnlich dem Husten bei Pseudokrupp.
  • Atemnot: Zunehmende Einziehungen der Brustkorbwand bei der Einatmung.
  • Stridor: Ein pfeifendes oder rasselndes Atemgeräusch, besonders hörbar beim Einatmen.

Nasendiphtherie

Diese Form ist oft milder und wird seltener erkannt. Sie tritt häufiger bei Säuglingen auf und ist durch wässrige bis schleimige Nasenausfluss gekennzeichnet, der blutig sein kann. Es können sich auch hier kleinere Pseudomembranen bilden.

  • Nasenausfluss: Zunächst wässrig, später oft schleimig-eitrig und blutig.
  • Mundatmung: Durch verstopfte Nasenwege.
  • Hautirritationen: Um die Nasenlöcher herum.

Hautdiphtherie (Dermal-Diphtherie)

Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Infektion der Haut, die oft in Verbindung mit bestehenden Hautläsionen wie Ekzemen oder Wunden auftritt. Die Symptome sind weniger spezifisch und ähneln anderen bakteriellen Hautinfektionen. Pseudomembranen können sich auf den Läsionen bilden.

  • Chronische, schlecht heilende Hautgeschwüre: Oft an den Extremitäten.
  • Graue Beläge: Auf den Läsionen.
  • Leichte Entzündungszeichen: Rötung, Schwellung.

Systemische Komplikationen durch Diphtherie-Toxin

Das Diphtherie-Toxin zirkuliert im Blut und kann verschiedene Organe schädigen, auch wenn die primäre Infektion nicht dort lokalisiert ist. Dies sind die gefürchtetsten Komplikationen, die oft Wochen nach der Primärinfektion auftreten.

  • Myokarditis: Eine Entzündung des Herzmuskels, die zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen kann. Symptome können Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und Palpitationen sein.
  • Neuropathie: Schädigung der Nerven, insbesondere peripherer Nerven. Dies kann zu Muskelschwäche, Lähmungen (z.B. der Augenmuskulatur, des Rachens, der Gliedmaßen) und Schluckbeschwerden führen. Eine Lähmung des Gaumens kann die Nahrungsaufnahme erschweren.
  • Nierenschädigung: Eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion ist ebenfalls möglich.

Diagnose von Diphtherie

Die Diagnose von Diphtherie basiert auf klinischen Symptomen und wird durch labortechnische Untersuchungen bestätigt. Angesichts der Schwere der Erkrankung ist eine schnelle Verdachtsdiagnose und Therapieeinleitung entscheidend, oft noch vor Vorliegen der endgültigen Testergebnisse.

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der typischen Symptome, insbesondere der Pseudomembranen und Atemwegsbeschwerden.
  • Bakteriologische Untersuchung: Entnahme von Abstrichen von den erkrankten Schleimhäuten (Rachen, Nase, Kehlkopf) oder Hautläsionen. Diese werden im Labor angezüchtet und auf Corynebacterium diphtheriae untersucht. Es wird auch auf Toxinproduktion getestet (z.B. Elek-Test).
  • Nachweis von Toxin-Genen: Mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) kann das Toxin-produzierende Gen nachgewiesen werden.
  • Serologische Tests: Können zum Nachweis von Antikörpern gegen das Diphtherie-Toxin im Blut dienen, sind aber für die Akutdiagnose weniger relevant.

Therapie der Diphtherie

Die Behandlung von Diphtherie erfordert eine sofortige medizinische Intervention. Ziel ist es, die Toxinwirkung zu neutralisieren, das Bakterium zu eliminieren und Komplikationen zu managen.

Antitoxin

Das wichtigste therapeutische Mittel ist die Gabe von Diphtherie-Antitoxin (ATS). Dieses ist ein Immunglobulin, das an zirkulierendes Diphtherie-Toxin bindet und dessen weitere Wirkung im Körper verhindert. Es ist jedoch unwirksam gegen Toxin, das bereits an Zellen gebunden ist. Je früher ATS verabreicht wird, desto effektiver ist es.

  • Intravenöse oder intramuskuläre Gabe: Die Dosierung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Körpergewicht.
  • Allergieprüfung: Vor der Gabe von ATS muss eine Hauttestung auf Allergien erfolgen, da es zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen kommen kann.

Antibiotika

Antibiotika werden eingesetzt, um die Bakterien im Körper abzutöten und somit die weitere Toxinproduktion zu stoppen. Sie sind keine Alternative zum Antitoxin, sondern eine Ergänzung.

  • Häufig eingesetzte Antibiotika: Penicillin G (als Depot-Penicillin oder intravenös) oder Erythromycin.
  • Behandlungsdauer: In der Regel 10 bis 14 Tage.
  • Ziel: Elimination des Erregers und Verhinderung der Weitergabe.

Supportive Maßnahmen

Aufgrund der möglichen Komplikationen sind unterstützende Maßnahmen essenziell:

  • Stationäre Aufnahme: Diphtheriepatienten müssen in der Regel isoliert im Krankenhaus behandelt werden.
  • Atemwegsmanagement: Bei Atemnot oder Obstruktion der Atemwege kann eine Intubation oder Tracheotomie notwendig sein, um die Atemwege freizuhalten. Sauerstofftherapie kann ebenfalls erforderlich sein.
  • Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: Engmaschige Überwachung und ggf. Infusionstherapie.
  • Herz-Kreislauf-Überwachung: Bei Verdacht auf Myokarditis ist eine engmaschige Überwachung der Herzfunktion mittels EKG und ggf. Echokardiographie notwendig.
  • Ernährung: Bei Schluckbeschwerden kann eine Sondenernährung erforderlich sein.
  • Behandlung von Komplikationen: Spezifische Therapien für Neuropathien oder Nierenschäden, falls diese auftreten.

Prävention durch Impfung

Die wirksamste Methode zur Prävention von Diphtherie ist die Impfung. Die Diphtherie-Impfung ist Teil des regulären Impfprogramms in vielen Ländern. Sie schützt nicht direkt vor der Infektion, sondern verhindert durch die Gabe von Toxin-Antigenen die Entwicklung der toxischen Erkrankung.

  • Kombinationsimpfstoff: Diphtherie wird meist in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht (z.B. DTPa – Diphtherie, Tetanus, Pertussis; oder als 6-fach-Impfung).
  • Grundimmunisierung: Im Säuglingsalter mit mehreren Dosen.
  • Auffrischimpfungen: Im Jugend- und Erwachsenenalter, um den Immunschutz aufrechtzuerhalten.
  • Immunität: Eine Impfung führt zur Bildung von Antikörpern gegen das Diphtherie-Toxin. Bei einer Infektion mit dem Bakterium kann die Krankheit nicht gänzlich verhindert werden, aber die Toxinwirkung und damit die Schwere der Erkrankung werden deutlich reduziert.

Häufige Diphtherie-Erreger und ihre Eigenschaften

Corynebacterium diphtheriae ist der Hauptverursacher. Es gibt verschiedene Biotypen (gravis, mitis, intermedius), die sich in ihrem Wachstumsmuster und ihrer Virulenz unterscheiden können, wobei die Toxinproduktion entscheidend ist. Daneben existieren auch andere Corynebakterien, die Diphtherie-ähnliche Erkrankungen verursachen können, jedoch seltener und meist milder verlaufen. Die wichtigste Eigenschaft des Erregers ist die Fähigkeit zur Toxinbildung, welche durch das Corynebacterium-diphtheriae-Toxin (Cdt) erfolgt. Dieses Toxin schädigt die Zellen, indem es die Proteinsynthese hemmt, was zu lokalem Gewebenekrose und systemischen Effekten führt.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Diphtherie hängt stark vom Impfstatus des Patienten, der Schwere der Infektion und dem rechtzeitigen Beginn der Therapie ab. Ungeimpfte Personen und Kleinkinder sind besonders gefährdet. Bei frühzeitiger und adäquater Behandlung ist die Prognose relativ gut. Ohne Behandlung kann Diphtherie zu schweren Komplikationen führen und ist oft tödlich, insbesondere durch Myokarditis oder Obstruktion der Atemwege.

  • Unbehandelte Diphtherie: Hohe Sterblichkeitsrate (bis zu 50% bei schweren Verläufen).
  • Behandelte Diphtherie: Deutlich geringere Sterblichkeitsrate (weniger als 10% bei rechtzeitiger Therapie).
  • Langzeitfolgen: Mögliche neurologische Schäden, Herzprobleme.
Kategorie Schlüsselinformationen zu Diphtherie
Erreger Corynebacterium diphtheriae (toxigene Stämme)
Übertragung Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion
Hauptsymptome Pseudomembranen im Rachen/Kehlkopf, Halsschmerzen, Fieber, Atemnot, geschwollene Lymphknoten
Gefährliche Komplikationen Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Neuropathien (Nervenschädigungen), Atemwegsobstruktion
Behandlung Diphtherie-Antitoxin (ATS), Antibiotika, supportive Maßnahmen
Prävention Impfung (Teil des regulären Impfprogramms)

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Diphtherie – Ursachen, Symptome und Therapien

Wie wird Diphtherie übertragen?

Diphtherie wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion verbreitet. Das bedeutet, dass die Bakterien über kleinste Tröpfchen in der Atemluft von einer infizierten Person zur nächsten gelangen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen. Auch eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infektiösen Sekreten oder kontaminierten Oberflächen (Schmierinfektion) ist möglich, insbesondere bei Hautdiphtherie.

Sind Diphtherie-Infektionen in Deutschland noch verbreitet?

Dank der erfolgreichen und flächendeckenden Impfungen ist Diphtherie in Deutschland und vielen anderen Industrieländern sehr selten geworden. Es gibt keine endemische Verbreitung mehr. Dennoch können sporadische Fälle oder kleinere Ausbrüche auftreten, insbesondere bei Personen, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind, oder wenn Reisende aus Regionen mit höherer Diphtherie-Prävalenz einreisen.

Was sind die ersten Anzeichen einer Diphtherie?

Die ersten Symptome können je nach Lokalisation der Infektion variieren. Bei der klassischen Rachendiphtherie treten oft Halsschmerzen auf, die aber nicht immer stark ausgeprägt sind. Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl und eine zunehmende Schluckschwierigkeit können ebenfalls auftreten. Charakteristisch ist die Entwicklung von grau-weißen Belägen (Pseudomembranen) auf den Mandeln und im Rachen, die bei Berührung bluten.

Warum ist das Diphtherie-Toxin so gefährlich?

Das Diphtherie-Toxin ist hochgradig toxisch, da es die Proteinsynthese in den Körperzellen stört. Dies führt zu einer Schädigung und zum Absterben von Geweben. Die gefährlichsten Auswirkungen sind auf den Herzmuskel (Myokarditis) und das Nervensystem (Neuropathien), die zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzversagen oder Lähmungserscheinungen führen können. Die Membranbildung in den Atemwegen kann ebenfalls tödlich sein, wenn sie die Atmung blockiert.

Wie wird Diphtherie behandelt, wenn sie erst spät erkannt wird?

Auch bei später Erkennung ist die Behandlung mit Diphtherie-Antitoxin (ATS) der wichtigste Schritt, um die weitere Ausbreitung des Toxins zu stoppen. Zusätzlich werden Antibiotika zur Abtötung der Bakterien und unterstützende Maßnahmen wie Sauerstofftherapie, Flüssigkeitsmanagement und bei Bedarf auch intensivmedizinische Betreuung eingesetzt. Die Prognose verschlechtert sich mit der Verzögerung der Therapie, insbesondere bei Vorliegen von Komplikationen.

Wie lange dauert die Behandlung von Diphtherie?

Die Akutbehandlung mit Antitoxin und Antibiotika erfolgt stationär und dauert typischerweise einige Wochen, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung und dem Auftreten von Komplikationen. Nach der Entlassung sind oft weitere Nachsorgeuntersuchungen notwendig, insbesondere bei Verdacht auf bleibende Schäden am Herzen oder Nervensystem. Vollständige Genesung kann Monate dauern.

Ist die Diphtherie-Impfung auch für Erwachsene wichtig?

Ja, die Diphtherie-Impfung ist auch für Erwachsene sehr wichtig. Der Impfschutz lässt mit der Zeit nach, daher sind Auffrischimpfungen notwendig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Auffrischimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter sowie bei Reisen in Länder mit hohem Diphtherie-Risiko. Dies schützt nicht nur den Einzelnen, sondern trägt auch zur Herdenimmunität bei und verhindert Ausbrüche.

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