Wenn du wissen möchtest, was genau der Augenarzt beim Schirmer-Test macht und welche Erkenntnisse daraus gewonnen werden, dann bist du hier genau richtig. Dieser Text erklärt dir detailliert den Ablauf, die Bedeutung und die Interpretation der Messergebnisse, damit du bestens informiert bist, wenn dieser Test bei dir durchgeführt wird.
Der Schirmer-Test: Ein wichtiger Schritt zur Diagnose trockener Augen
Der Schirmer-Test ist eine grundlegende diagnostische Maßnahme in der Augenheilkunde, die primär dazu dient, die Menge der Tränenflüssigkeit zu quantifizieren, die dein Auge produziert. Eine unzureichende Tränenproduktion ist eine häufige Ursache für das sogenannte Sicca-Syndrom, besser bekannt als trockene Augen. Dies kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, von leichtem Brennen und Fremdkörpergefühl bis hin zu Rötungen, verschwommenem Sehen und in schweren Fällen sogar zu Hornhautschäden. Der Augenarzt nutzt den Schirmer-Test, um festzustellen, ob eine Hyposekretion, also eine verminderte Tränenproduktion, vorliegt und um deren Ausmaß zu beurteilen. Dies ist essenziell für die Einleitung einer zielgerichteten Therapie.
Was du während des Schirmer-Tests erwarten kannst
Wenn dein Augenarzt den Schirmer-Test durchführt, wird er oder sie dich bitten, dich bequem hinzusetzen und den Kopf leicht zurückzulegen. Anschließend werden spezielle, sterile Filterpapierstreifen (oft als „Schirmer-Streifen“ bezeichnet) vorsichtig in den Bindehautsack deines Auges gelegt. Der Streifen wird dabei so positioniert, dass er sich zwischen dem Unterlid und dem Augapfel befindet, ohne die Hornhaut direkt zu berühren. Dies ist ein wichtiger Punkt, da eine Berührung der Hornhaut zu einer reflexartigen Erhöhung der Tränenproduktion führen kann, was das Ergebnis verfälschen würde. In der Regel wird ein Streifen pro Auge verwendet.
Der Ablauf im Detail
- Vorbereitung: Der Augenarzt wird dich über den Ablauf informieren und sicherstellen, dass du bequem sitzt. Eventuell wird ein leichtes Lokalanästhetikum in Form von Augentropfen verabreicht. Dies dient nicht primär der Schmerzvermeidung, sondern soll verhindern, dass der empfindliche Bindehautsack durch den Fremdkörper (den Papierstreifen) zu einer übermäßigen Tränenproduktion angeregt wird. Dies ermöglicht eine Messung der Basalsekretion, also der Tränenmenge, die dein Auge normalerweise in Ruhe produziert.
- Platzierung des Streifens: Nach der Verabreichung der Tropfen (falls notwendig) und einer kurzen Wartezeit wird der sterile Schirmer-Streifen vorsichtig unter das untere Augenlid geschoben. Es ist entscheidend, dass der Streifen korrekt positioniert ist und nicht die Hornhaut reizt.
- Wartezeit: Du wirst gebeten, für eine festgelegte Zeit ruhig zu sitzen und deine Augen geschlossen zu halten. Diese Dauer beträgt in der Regel fünf Minuten. Während dieser Zeit saugt das Filterpapier die Tränenflüssigkeit auf und die Feuchtigkeit wandert entlang des Streifens nach oben.
- Entfernung und Messung: Nach Ablauf der fünf Minuten wird der Streifen vorsichtig vom Augenarzt entfernt. Anhand des auf dem Streifen aufgesogenen Flüssigkeitsbereichs kann die Menge der produzierten Tränenflüssigkeit abgelesen werden. Dies geschieht durch Messung des feuchten Bereichs des Streifens von der Knickstelle (dort, wo er im Auge lag) bis zur sichtbaren Feuchtigkeitsgrenze.
Interpretation der Messergebnisse: Was bedeuten die Werte?
Die Interpretation der Messergebnisse des Schirmer-Tests ist entscheidend für die Diagnose. Die gemessene Einheit ist Millimeter (mm) pro Minute. Die Werte geben an, wie viel Tränenflüssigkeit der Papierstreifen innerhalb der vorgegebenen Zeit aufsaugen konnte.
Normale Werte
Als normal gilt im Allgemeinen eine Tränenproduktion von etwa 10 bis 15 mm Tränenflüssigkeit pro fünf Minuten. Liegt der Wert in diesem Bereich, deutet dies auf eine ausreichende Tränenproduktion hin, und die Ursache der Beschwerden muss gegebenenfalls woanders gesucht werden.
Niedrige Werte (Hyposekretion)
Werte unter 10 mm pro fünf Minuten deuten auf eine verminderte Tränenproduktion hin. Je niedriger der Wert, desto ausgeprägter ist die Träneninsuffizienz. Ein Wert unter 5 mm wird oft als signifikant angesehen und legt eine Behandlung des trockenen Auges nahe. Besonders niedrige Werte, unter 2 mm, können auf eine schwere Form des Sicca-Syndroms hindeuten und erfordern eine genaue Abklärung der zugrundeliegenden Ursachen.
Hohe Werte (selten)
Obwohl seltener, können auch erhöhte Werte auftreten. Dies kann beispielsweise nach einer Augenoperation oder bei bestimmten Erkrankungen der Fall sein, die zu einer vermehrten Tränenproduktion führen (z.B. als Reaktion auf starke Reizung). In den meisten Fällen ist jedoch eine unzureichende Tränenproduktion das Problem, das mit dem Schirmer-Test abgeklärt wird.
Varianten des Schirmer-Tests
Es gibt verschiedene Modifikationen des Schirmer-Tests, die je nach Fragestellung und zur genaueren Differenzierung eingesetzt werden.
Schirmer-Test I (Basissekretion)
Dies ist die klassische Form, wie oben beschrieben, bei der die Tränenproduktion ohne zusätzliche Reizung gemessen wird. Hierbei wird die normale, ungestörte Tränenmenge ermittelt.
Schirmer-Test II (Reflex-Tränenproduktion)
Bei dieser Variante wird die Tränenproduktion gemessen, nachdem eine leichte Reizung der Hornhaut oder der Bindehaut erfolgt ist. Dies kann beispielsweise durch vorsichtiges Berühren der Hornhaut mit einem feinen Instrument oder durch die Gabe eines Reizstoffes geschehen. Der Schirmer-Test II hilft zu beurteilen, wie stark das Auge auf eine äußere Stimulation mit Tränenflüssigkeit reagiert. Er wird oft durchgeführt, wenn der Schirmer-Test I normale Werte ergibt, aber dennoch Symptome eines trockenen Auges vorliegen, was auf eine Störung der reflexogenen Tränenproduktion hindeuten könnte.
Was macht der Augenarzt über den Schirmer-Test hinaus?
Der Schirmer-Test ist nur ein Baustein in der Diagnostik trockener Augen. Dein Augenarzt wird eine umfassende Untersuchung durchführen, die weitere Schritte beinhaltet:
Anamnese (Krankengeschichte)
Zunächst wird dein Augenarzt dich ausführlich nach deinen Symptomen befragen. Dazu gehören:
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Welche Art von Beschwerden hast du (Brennen, Stechen, Fremdkörpergefühl, Rötung, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen, Gefühl von Sand in den Augen)?
- Wann treten die Beschwerden besonders auf (morgens, abends, bei Bildschirmarbeit, in klimatisierter Umgebung)?
- Nimmst du Medikamente ein, die das Auge beeinflussen könnten (z.B. Antihistaminika, Antidepressiva, Medikamente gegen Bluthochdruck)?
- Leidest du an anderen Erkrankungen (z.B. Rheuma, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen)?
- Trägst du Kontaktlinsen?
Spaltlampenuntersuchung
Mit Hilfe eines Biomikroskops, der Spaltlampe, kann der Augenarzt die Oberfläche deines Auges sehr detailliert untersuchen. Dabei werden folgende Aspekte beurteilt:
- Bindehaut: Gibt es Rötungen, Schwellungen oder andere Veränderungen?
- Hornhaut: Sind oberflächliche Defekte (Erosionen), Einlagerungen oder Entzündungen sichtbar?
- Tränenfilm: Die Stabilität und Beschaffenheit des Tränenfilms kann beurteilt werden. Dies umfasst die Beurteilung der Tränenmeniskushöhe (die Menge an Tränenflüssigkeit im unteren Lidbereich) und die Zeit, bis der Tränenfilm nach dem Blinzeln reißt (Tränenfilmaufreißzeit, TBUT).
- Lidränder und Meibomdrüsen: Entzündungen der Lidränder (Blepharitis) oder Funktionsstörungen der Meibomdrüsen, die für die fettige Komponente des Tränenfilms zuständig sind, sind häufige Ursachen für trockene Augen und werden hierbei diagnostiziert.
Weitere Tests (je nach Verdacht)
Je nach Befund können weitere spezielle Tests notwendig sein:
- Färbetests (z.B. mit Fluorescein oder Lissamingrün): Diese Farbstoffe färben Bereiche der Hornhaut oder Bindehaut an, die durch die trockene Oberfläche geschädigt sind. Sie helfen, das Ausmaß der oberflächlichen Keratitis (Hornhautentzündung) zu beurteilen.
- Meibographie: Eine spezielle Untersuchung zur Darstellung der Meibomdrüsen und ihrer Struktur.
- Osmolaritätsmessung des Tränenfilms: Ein Test, der die Konzentration der Salze in der Tränenflüssigkeit misst. Eine erhöhte Osmolarität ist ein Zeichen für eine unzureichende Tränenproduktion und eine erhöhte Verdunstung.
Bedeutung des Schirmer-Tests für die Therapie
Die Ergebnisse des Schirmer-Tests, zusammen mit den anderen Untersuchungsergebnissen, sind entscheidend für die Wahl der richtigen Therapie. Eine unzureichende Tränenproduktion (Hyposekretion) erfordert eine andere Behandlung als ein trockene Auge, das primär durch erhöhte Verdunstung verursacht wird (z.B. durch Meibomdrüsenfunktionsstörung).
- Bei Hyposekretion: Der Fokus liegt auf der Substitution der fehlenden Tränenflüssigkeit. Hierzu werden künstliche Tränen (benetzende Augentropfen oder -salben) eingesetzt, die möglichst nah an die Zusammensetzung der natürlichen Tränenflüssigkeit heranreichen. In schwereren Fällen können auch Tränenersatzmittel mit Hyaluronsäure oder anderen befeuchtenden Substanzen verschrieben werden. Manchmal kommen auch Medikamente zum Einsatz, die die körpereigene Tränenproduktion anregen sollen (z.B. Ciclosporin A oder Lifitegrast).
- Bei Verdunstungstrockenheit: Hier steht die Verbesserung der Lipid-Schicht des Tränenfilms im Vordergrund. Dies kann durch Lidrandhygiene, warme Kompressen, Massagen der Lidränder oder spezielle Augentropfen erreicht werden, die die fettige Komponente des Tränenfilms nachahmen.
Häufige Ursachen für eine verminderte Tränenproduktion
Es gibt verschiedene Gründe, warum dein Körper nicht mehr ausreichend Tränenflüssigkeit produziert. Dein Augenarzt wird versuchen, die spezifische Ursache für deine Träneninsuffizienz zu ermitteln:
- Alterung: Mit zunehmendem Alter nimmt die Tränenproduktion bei vielen Menschen natürlicherweise ab.
- Hormonelle Veränderungen: Besonders bei Frauen können hormonelle Schwankungen, wie sie während der Menopause auftreten, die Tränenproduktion beeinflussen.
- Bestimmte Erkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, bei dem das Immunsystem Drüsen angreift, die für die Produktion von Feuchtigkeit zuständig sind (einschließlich der Tränendrüsen), sind eine häufige Ursache. Auch andere rheumatische Erkrankungen, Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen können die Tränenproduktion beeinträchtigen.
- Medikamentennebenwirkungen: Viele Medikamente, darunter Antihistaminika, Antidepressiva, Betablocker und einige Hormonpräparate, können als Nebenwirkung eine trockene Augen verursachen oder verschlimmern, indem sie die Tränenproduktion reduzieren.
- Augenoperationen: Nach bestimmten chirurgischen Eingriffen am Auge kann es vorübergehend oder auch dauerhaft zu einer verminderten Tränenproduktion kommen.
- Nervenverletzungen: Verletzungen der Nerven, die die Tränendrüsen versorgen, können die Signalübertragung stören und somit die Tränenproduktion beeinträchtigen.
| Aspekt des Tests | Was der Augenarzt macht | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Vorbereitung und Aufklärung | Erklärt den Ablauf, fragt nach Beschwerden und Vorerkrankungen. Ggf. Anwendung von Lokalanästhetikum. | Stellt sicher, dass du vorbereitet bist und minimiert mögliche Verfälschungen des Ergebnisses. |
| Platzierung des Schirmer-Streifens | Führt einen sterilen Papierstreifen vorsichtig in den Bindehautsack unter das Unterlid ein. | Ermöglicht die Messung der von den Tränendrüsen produzierten Flüssigkeitsmenge. |
| Messung der Tränenflüssigkeitsmenge | Nach 5 Minuten wird der Streifen entfernt und die aufgesogene Flüssigkeitsmenge (in mm) gemessen. | Quantifiziert die Tränenproduktion und deckt eine mögliche Hyposekretion auf. |
| Interpretation der Ergebnisse | Vergleicht die gemessenen Werte mit Normbereichen und berücksichtigt andere Untersuchungsergebnisse. | Leitet daraus die Diagnose (z.B. Sicca-Syndrom) ab und bestimmt die weitere Vorgehensweise. |
| Umfassende Untersuchung | Führt Spaltlampenuntersuchung und ggf. weitere Tests durch. | Identifiziert die genaue Ursache der Beschwerden und anderer möglicher Augenerkrankungen. |
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Was macht der Augenarzt beim Schirmer Test
Ist der Schirmer-Test schmerzhaft?
Der Schirmer-Test ist in der Regel nicht schmerzhaft. Die Platzierung des Papierstreifens kann ein leichtes Fremdkörpergefühl hervorrufen, ähnlich wie ein leichtes Kratzen. Viele Augenärzte verwenden vorab Augentropfen mit einem leichten Lokalanästhetikum, um jegliche Unannehmlichkeit zu minimieren und sicherzustellen, dass das Ergebnis nicht durch eine übermäßige reflexartige Tränenproduktion verfälscht wird.
Wie lange dauert der Schirmer-Test?
Die eigentliche Messung mit dem Papierstreifen dauert nur fünf Minuten. Die gesamte Untersuchung, einschließlich der Vorbereitung, der Anamnese und der anschließenden Spaltlampenuntersuchung, kann jedoch je nach Komplexität des Falls etwa 15 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen.
Kann ich den Schirmer-Test zu Hause durchführen?
Nein, der Schirmer-Test sollte ausschließlich von einem qualifizierten Augenarzt oder geschultem medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Die korrekte Platzierung des Streifens, die Wahl der richtigen Testvariante (mit oder ohne Anästhetikum) und die genaue Interpretation der Ergebnisse erfordern Fachwissen und spezielle Ausrüstung, um verlässliche Diagnosen zu ermöglichen.
Was passiert, wenn der Schirmer-Test unauffällig ist, ich aber trotzdem trockene Augen habe?
Ein unauffälliger Schirmer-Test bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Probleme mit trockenen Augen vorliegen. Es gibt verschiedene Ursachen für trockene Augen, und eine verminderte Tränenproduktion (Hyposekretion) ist nur eine davon. Andere häufige Ursachen sind eine unzureichende Verdunstung des Tränenfilms (z.B. durch Meibomdrüsenfunktionsstörungen) oder eine instabile Tränenfilmzusammensetzung. Dein Augenarzt wird zusätzliche Tests durchführen, wie die Beurteilung der Tränenfilmaufreißzeit (TBUT) oder die Untersuchung der Meibomdrüsen, um die genaue Ursache zu ermitteln.
Muss ich mich auf den Schirmer-Test vorbereiten?
Es sind keine speziellen Vorbereitungen erforderlich. Du solltest deinen Augenarzt über alle Medikamente informieren, die du einnimmst, da einige davon die Tränenproduktion beeinflussen können. Ansonsten kannst du wie gewohnt zu deinem Termin erscheinen.
Welche Informationen liefert der Schirmer-Test über die Zusammensetzung des Tränenfilms?
Der Schirmer-Test misst ausschließlich die Menge der produzierten Tränenflüssigkeit. Er gibt keine Auskunft über die Qualität oder Zusammensetzung des Tränenfilms, wie z.B. den Fettanteil oder den Schleimanteil. Für die Beurteilung der Zusammensetzung werden andere diagnostische Methoden herangezogen.
Wie oft wird der Schirmer-Test durchgeführt?
Der Schirmer-Test ist keine Routineuntersuchung, die bei jedem Besuch gemacht wird. Er wird gezielt dann eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine unzureichende Tränenproduktion besteht, also bei Patienten, die Symptome trockener Augen aufweisen oder wenn andere Erkrankungen vorliegen, die mit einer solchen Problematik assoziiert sind. Bei der Verlaufskontrolle einer trockenen Augen-Erkrankung kann der Test wiederholt werden, um den Therapieerfolg zu beurteilen.