Zahnimplantate trotz wenig Knochenangebot

Zahnimplantate sind eine komfortable Alternative zu rutschenden Prothesen oder Brücken, für die Nachbarzähne abgeschliffen werden müssen. Dank moderner chirurgischer Verfahren müssen auch Patienten mit wenig Knochenangebot nicht auf Implantate verzichten. Der Oralchirurg Dr. Lampmann erklärt, wie Knochenaufbau funktioniert.

Warum Knochenaufbau?

Wer lange Prothesen getragen hat oder es versäumte, seine Zahnlücke rechtzeitig versorgen zu lassen, riskiert, dass sich der Kieferknochen abbaut. Um Implantate fest zu verankern, ist allerdings genügend Knochenangebot erforderlich: Mindestens Neun bis zehn Millimeter sollte die kleine Schraube in den Kieferknochen reichen und dabei auf jeder Seite von mindestens zwei Millimeter Knochen umgeben sein.

Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, ist Knochenaufbau die einzige Möglichkeit, doch noch Implantate setzen zu können. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die je nach Grad des Knochenverlusts zum Einsatz kommen.

Anlagerung von Knochenmaterial bei geringem Knochenverlust

Bei geringem Knochenverlust reicht eine Sitzung aus, um das fehlende Volumen mit Knochenspänen und -mehl aufzufüllen und das Implantat zu setzen. Das Material gewinnt der Operateur beim Aufbereiten des Bohrstollens oder indem er Knochenmaterial vom Kieferkamm sammelt.

Eine spezielle resorbierbare Membran sorgt im Anschluss für eine ungestörte Wundheilung. Es gibt zwar auch nicht-resorbierbare Membranen, die nach der Operation wieder entfernt werden müssen, aber dann ist ein weiterer Eingriff erforderlich.

Knochenspreizung bei schmalem Kiefer

Ist der Kiefer so schmal, dass ein Implantat nicht sachgerecht eingebracht werden kann, teilt der Chirurg den Knochen in der Mitte. Er setzt das Implantat noch während derselben Operation in die so entstandene, einige Millimeter breite Lücke ein und füllt den Spalt mit Knochenmaterial auf.

Sinuslift für größere Knochenaufbauten

Bei weiter fortgeschrittenem Knochenverlust muss mehr Knochen aufgebaut werden. Je nach Ausgangssituation und zu bearbeitendem Bereich präpariert der Implantologe nur den Knochen rund um die Zahnlücke oder legt Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial zwischen Kiefer und Kieferhöhle ein. In manchen Fällen kann der Zahnarzt das Implantat gleich im Anschluss einsetzen.

Wenn der Knochen noch nicht belastbar ist, findet die Implantation vier bis zehn Monate später statt. Bei Aufbauten ausschließlich mit Eigenknochen ist die Wartezeit im Allgemeinen geringer als bei der Verwendung von Fremdmaterial.

Die letzte Option: Knochenblockaugmentation

Die letzte Option ist die Knochenblockaugmentation, bei der Knochen aus dem Kiefer des Patienten verpflanzt wird. Der Bereich rund um die Weisheitszähne eignet sich häufig zur Knochenentnahme, aber auch das Becken kann zum Knochengewinn dienen. Mit kleinen Titanschrauben befestigt der Zahnarzt das so gewonnene Material, um nach vier bis sechs Monaten schließlich das Implantat einzusetzen.

Meist reicht eine lokale Betäubung aus, bei größeren Operationen erhält der Patient jedoch eine Vollnarkose.

Nach dem Eingriff

Um die Wundheilung nicht zu stören, sollten Sie in den ersten Tagen nach der Operation auf heiße Getränke, Tabakkonsum und Alkohol verzichten und sich viel Ruhe gönnen. Schwellungen können Sie mit Coolpacks lindern, bei Nachblutungen wiederum beißen Sie am besten auf ein Stofftaschentuch. Gegen Schmerzen verschreibt Ihnen Ihr Zahnarzt entsprechende Medikamente.

Ihre Mundhygiene können Sie wie gewohnt fortsetzen – nur den Bereich rund um die Wunde sollten Sie aussparen.

Risiken der Implantation mit Knochenaufbau

Wie jede Operation sind auch Knochenaufbau und Implantation mit Risiken verbunden. Selten treten Nerven-, Kieferhöhlen- oder Zahnverletzungen auf, was wiederum zu Taubheitsgefühlen oder Infektionen führen kann. Ist die Knochenmasse trotz Aufbau zu gering, kann sich das Implantat lockern. Bei schlechter Mundhygiene droht darüber hinaus Periimplantitis, eine Entzündung, die zum Implantatverlust führen kann. Dieses Risiko können Sie mit guter häuslicher Zahnpflege und einer regelmäßigen professionellen Implantatreinigung verringern.

Einige Operationsrisiken lassen sich auch durch moderne Diagnoseverfahren reduzieren. Mittels digitaler Volumentomographie erhält der Zahnarzt dreidimensionale Bilder der Mundsituation und kann vorhandenes Knochenangebot besser einschätzen. Dadurch kann er das schonendste Verfahren wählen und den Eingriff detaillierter planen.

Dieser Artikel ist geschrieben von Dr. Martin Lampmann.

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Emma Richter