Typhus (Paratyphus)

Beim Typhus handelt es sich um eine schwere fieberhafte Durchfallerkrankung, hervorgerufen durch das Bakterium Salmonella typhi. Die Erreger werden durch Verzehr von kontaminiertem Trinkwasser und Lebensmittel aufgenommen. Typhus zählt zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Die Krankheit kommt in den Entwicklungsländern vor, wo mangelhafte, bzw. schlechte hygienischen Bedingungen vorzufinden sind.

Nach Deutschland wird die Erkrankung meist von Reisenden eingeschleppt. Durch die relativ lange Inkubationszeit von 10 Tagen wird die Erkrankung oft erst im Heimatland bemerkt. In diesem Fall ist schnelles Handeln angesagt, um Komplikationen und die Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden.

Typhus kommt relativ häufig vor. Jährlich erkranken etwa 16 Millionen Menschen an Typhus. Statistiken zur Folge sterben von 16 Millionen Infizierten rund 600.000. Besonders stark betroffen sind Kinder im Grundschulalter, zwischen 5 und 12 Jahren. Menschen mit geschwächtem Immunsystem reagieren auf den Erreger ebenfalls empfindlicher. Unbehandelt kann Typhus tödlich enden. Die Sterblichkeitsrate konnte durch die Entwicklung von modernen Antibiotika deutlich gesenkt werden. Reisende können sich mit einer Schluckimpfung vor einer Erkrankung an Typhus schützen. Zusätzlich sollte man auf eine penible Hygiene im Ausland geachtet werden. Es wird zwischen zwei Arten von Typhus unterschieden, Bauchtyphus und Paratyphus. Paratyphus verläuft in der Regel deutlich milder, als Bauchtyphus.

Ursachen einer Typhus Erkrankung

Je nach Erregerart unterscheidet man in der Medizin zwischen Bauchtyphus und Paratyphus. Während Bauchtyphus vom Bakterium Salmonella typhi verursacht wird, sind es beim Paratyphus A und C die Bakterien Salmonella paratyphi, sowie Salmonella hirschfeldii, beim Paratyphus B Salmonella schottmuellerii. Der Krankheitserreger von Paratyphus B kommt auch in Europa vor. Der Mensch gilt als alleiniges natürliches Reservoir für Salmonella typhi.

Die Erreger des Bauchtyphus werden mit dem Stuhl ausgeschieden, wobei eine Infektionsquelle nicht diejenigen mit einer akuten Typhus-Erkranken bilden, sondern vielmehr diejenigen, die nach einem überstandenen Typhus weiterhin Erreger ausscheiden (Dauerausscheider).

Typhussalmonellen sind widerstandsfähig und können auch im Wasser längere Zeit überleben. In Muscheln können sich Typhussalmonellen anreichern. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch den Verzehr von Salmonellenbefallenem Trinkwasser und Lebensmittel. Zwar ist auch eine Direktübertragung von Mensch zu Mensch möglich, kommt jedoch im Allgemeinen äußerst selten vor.

Da die Magensäure eine relativ stabile Barriere bildet, ist eine sehr hohe Keimzahl für eine Erkrankung notwendig. Nur Keime, die die Säureattacke im Magen überleben gelangen in den Darm, wodurch dann die Krankheit ausbricht. Das Hauptziel der Erreger ist das Lymphsystem des Menschen. Die Bakterien durchdringen die Darmwand und gelangen mit dem Blutstrom zu den Organen. Besonders bevorzugt ist das lymphatische Gewebe des Darms.

Bauchtyphus

Die Inkubationszeit beträgt beim Bauchtyphus etwa drei bis zehn Tage, kann jedoch zwischen einem und 30 Tagen variieren, je nach Höhe der aufgenommenen Keime. Die Inkubationszeit beim Paratyphus liegt zwischen einem und zehn Tagen. Die Symptome sind je nach Erregertyp unterschiedlich.

Beim Bauchtyphus kommt es nach der Inkubationszeit zu hohem Fieber (bis 40°C), das bis zu vier Wochen auf diesem Niveau anhalten kann. Die Patienten fühlen sich benommen, klagen über Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verstopfung. Ab der zweiten Krankheitswoche zeigt sich bei den Patienten auf der Zunge ein grau-weißer Belag, wobei Zungenspitze und -Ränder ausgespart bleiben und so kräftig rot erscheinen. Dieses Phänomen tritt nur bei Bauchtyphus auf und deswegen nennt man es auch “Typhuszunge”. Milz und Leber zeigen sich vergrößert. Die Patienten haben einen niedrigen Puls und fühlen sich sehr krank.

Geht die Krankheit dem Ende der zweiten Krankheitswoche zu, bildet sich auf dem Rumpf ein typischer Hautausschlag. Der Ausschlag kann jedoch auch ausbleiben. Die für den Typhus charakteristischen erbsenbreiartigen Durchfälle treten erst zu Beginn der dritten Krankheitswoche auf. Zu dieser Zeit verfallen viele Patienten in Delirium. Die vierte Krankheitswoche ist vom Fieberabfall geprägt, und es kommt zur Genesungsphase. Solch lange Typhuserkrankungen werden in der westlichen Welt jedoch seit Einführung wirksamer Medikamente gegen Typhus nicht mehr verzeichnet. Diese werden bereits zu Beginn der Erkrankung eingesetzt und so kann der Verlauf deutlich gemildert werden.

Paratyphus

Die Symptome von Paratyphus sind von denen des Bauchtyphus zu unterscheiden. Hier treten bereits zu Beginn der Erkrankung Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und wässrige Durchfälle auf. Die Patienten haben Fieber, oft von Schüttelfrost begleitet. Die rötlichen Flecken breiten sich auf dem gesamten Körper aus. Da die Symptome hier nicht so stark ausgeprägt sind, kommt es meist zu einem milden Verlauf und zu einer deutlich schnelleren Genesung.

Diagnose und Therapie von Typhus durch den Facharzt

Beide Typhus-Formen können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Bei Reisenden, die aus den Tropen zurückkehren kann eine Typhus Erkrankung leicht mit Malaria verwechselt werden. Aus diesem Grund ist eine umfassende Diagnostik notwendig um rasch mit der richtigen Therapie beginnen zu können.

Bei Typhuserkrankungen zeigt sich eine spezifische Veränderung der weißen Blutkörperchen. Diese Veränderung lässt sich anhand einer Blutuntersuchung feststellen. Zudem sind die Erreger, sowie spezifische Antikörper im Blut nachweisbar. Die Identifikation der Erreger ist sehr wichtig bei der Diagnosestellung. Der Erreger kann zudem auch im Urin, Stuhl, oder im Knochenmark nachgewiesen werden.

Fernarzt

Beide Typhus Arten gelten als schwere Erkrankungen und müssen unbedingt ärztlich behandelt werden. Zum Einsatz kommen spezielle Antibiotika, sowie Medikamente, die die Beschwerden lindern. Bei der symptomatischen Therapie steht der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes im Vordergrund. Patienten, die Gallensteine haben, laufen Gefahr, dass sich die Bakterien in der Gallenblase ansiedeln. Ist dies der Fall, kann die Entfernung der Gallenblase (man kann auch sehr gut ohne Gallenblase leben) in Erwägung gezogen werden. Bleibt die Gallenblase erhalten und siedeln sich dort Bakterien an, können diese mit dem Gallensaft ständig in kleinen Mengen in den Darm abgegeben werden, wo sie dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Bei beiden Typhus Arten können Komplikationen auftreten, insbesondere bei ausbleibender Therapie. Schwere Darmblutungen, Geschwürbildung, Darmdurchbruch mit anschließender Bauchfellentzündung sind die gefürchteten Komplikationen. Infolge der Verbreitung der Erreger können weitere Organe an der Erkrankung beteiligt sein. Herz, Lunge, Knochen und Gehirn reagieren auf die Erreger mit starken Entzündungen, die mitunter auch lebensbedrohlich werden können.

Allgemein gilt: Bei rechtzeitigem Beginn einer antibiotischen Therapie ist die Prognose bei Typhus gut. Mit der Einführung wirksamer Antibiotika konnte die Sterblichkeitsrate auf etwa 1% gesenkt werden. Wird Typhus nicht behandelt, so endet die Krankheit in rund 20% der Fälle tödlich. Beim Paratyphus sind die Prognosen ebenfalls sehr gut, der Verlauf gestaltet sich meist milder, als beim Bauchtyphus. Auch Komplikationen sind deutlich seltener. Eine überstandene Typhus Erkrankung bietet in vielen Fällen für etwa ein Jahr Immunität gegen eine Neuinfektion. Eine zu hohe Anzahl der aufgenommenen Erreger kann die Immunität zunichte machen und sogar zu Rückfällen und Neuinfektionen führen. Viele Patienten, die eine Typhus Erkrankung überstanden haben, werden zu so genannten Dauerausscheider. Sie stellen eine Infektionsgefahr für andere dar.

Gegen Bauchtyphus gibt es eine wirksame Schutzimpfung. Sie ist vor allem für Reisende empfehlenswert, die sich in Regionen begeben, wo schlechte hygienische Verhältnisse herrschen. Die Impfung schützt jedoch nur vor dem Bauchtyphus. Gegen Paratyphus gibt es keine Impfung. Wer auf Reisen auf eine sehr gute persönliche Hygiene achtet, kann sich vor Typhus und Paratyphus schützen.

Wichtig ist zudem

  •  Niemals Leitungs-, oder Brunnenwasser trinken. Greifen Sie besser auf in Flaschen abgefülltes Mineralwasser zurück.
  •  Verzichten Sie auf rohe und ungeschälte Nahrungsmittel.
  •  Verzichten Sie auf Eiswürfel in Erfrischungsgetränken.

Quelle: Hajnalka Prohaska

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