Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt ist eine der häufigsten Komplikationen einer Schwangerschaft. Doch ist sie nicht nur eine Komplikation im medizinischen Sinne, sie ist auch das am meisten gefürchtete Ereignis, wenn eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist.

Vor allem Frauen, die bereits eine, oder mehrere Fehlgeburten erlitten haben, begegnen einer jeden erneuten Schwangerschaft mit Angst vor einer möglichen weiteren Fehlgeburt.

Als Fehlgeburt, oder auch Abort, wird der frühzeitige Verlust eines Babys bezeichnet, der vor Ende der 23. Schwangerschaftswoche eintritt. Babys in diesem Zeitrahmen sind außerhalb der Gebärmutter nicht lebensfähig.

Der Verlust eines Babys nach der 24. Schwangerschaftswoche nennt man Frühgeburt, wenn das Baby mindestens 500gr wiegt. Wird das Baby nach der 24. Schwangerschaftswoche tot geboren, spricht man von einer Totgeburt.

Die häufigsten Fehlgeburten ereignen sich vor der 12. Schwangerschaftswoche. Insbesondere in den ersten Wochen einer Schwangerschaft ist das Risiko sehr groß, eine Fehlgeburt zu haben. Viele Schwangerschaften enden bereits in den ersten 5 Wochen. Häufig weiß die Frau zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass sie schwanger ist. In solchen Fällen tritt die Regelblutung eben etwas verspätet ein, für viele Frauen ein “ganz normaler” Vorgang, vor allem, wenn deren Zyklus etwas unregelmäßig ist.

Eine Fehlgeburt hat zahlreiche mögliche Ursachen

Nicht nur gesundheitliche Schäden am Embryo können zu einer Fehlgeburt führen. Auch Erkrankungen der Mutter zählen häufig zu den Ursachen. Häufig sind genetische Defekte des Embryos der Grund für eine Fehlgeburt.

Auf der anderen Seite stehen Infektionskrankheiten der Mutter, hormonelle Störungen, Erkrankungen der Gebärmutter (z.B. Endometriose, Zysten, Myome etc.), Fehlbildungen der Plazenta, Alkoholkonsum in der Frühschwangerschaft, hoher Nikotin- und Koffeinkonsum können eine Fehlgeburt ebenfalls herbeführen.

Vaginale Blutungen in der Schwangerschaft kommen häufiger vor, als man zunächst denken würde. Doch sind gerade diese Blutungen auch ein Zeichen für eine drohende Fehlgeburt. Deshalb gilt: wenn vaginale Blutungen – egal in welchem Maße – auftreten, sofort den Frauenarzt aufsuchen und die Ursache der Blutungen klären!

Der Arzt wird zunächst eine Ultraschalluntersuchung durchführen. So kann er feststellen, was der mögliche Grund für die Blutungen ist. Das weitere Vorgehen hängt in erster Linie davon ab, ob der Arzt bei der Ultraschalluntersuchung Herztöne feststellen kann, oder nicht. Ist mit dem Baby sonst alles in Ordnung ist es möglich, die drohende Fehlgeburt zu verhindern. In anderen Fällen wird die Fehlgeburt – wenn nötig – mit Medikamenten herbeigeführt, die die Wehentätigkeit fördern. Unter Umständen ist eine Ausschabung erforderlich, um Schwangerschaftsmaterial restlos aus der Gebärmutter entfernen zu können. Eine Fehlgeburt – egal zu welchem Zeitpunkt – ist immer eine traurige Erfahrung, und doch ist sie ein natürlicher Vorgang.

Welche Arten von Fehlgeburt gibt es?

Eine Fehlgeburt ist nicht gleich Fehlgeburt. Auch hier gibt es aus medizinischer Sicht deutliche Unterschiede. Die Unterschiede hängen mit dem Zeitpunkt, an dem die Fehlgeburt stattfindet zusammen, sowie mit der Art der Fehlgeburt. Genauer definiert werden Fehlgeburten nach

  • Körpertemperatur,
  • nach Ursache
  • und nach Zeitpunkt.

Anhand der Körpertemperatur wird zwischen drei Formen unterschieden. Liegt sie unter 37°C, so spricht man von einem afebrilen Abort (ohne Fieber). Liegt die Körpertemperatur bei 38-39°C so handelt es sich dabei um einen febrilen Abort (mit Fieber). Als septischer Abort wird eine Fehlgeburt bezeichnet, die mit hohem Fieber (über 39°C) und Schüttelfrost einhergeht.

Die Unterteilung nach Ursachen bezeichnet zunächst den Spontanabort, welchem natürliche Ursachen zugrunde liegen. Als artifizieller Abort werden Fehlgeburten bezeichnet, die sich aufgrund äußerer Einflüsse, Medikamente, oder bestimmter Chemikalien ereignen.

Je nach dem, zu welchem Zeitpunkt sich eine Fehlgeburt ereignet, werden Aborte in drei Gruppen aufgeteilt.

  1. Eine Fehlgeburt, die sich unmittelbar nach der Einnistung ereignet nennt man Frühestabort. Die meisten Frauen wissen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Oft fällt die Fehlgeburt mit dem Zeitpunkt der Regelblutung zusammen. In vielen Fällen tritt die Regelblutung einige Tage später auf
  2. Eine Fehlgeburt, die vor der 12. Schwangerschaftswoche auftritt, nennt man Frühabort.
  3. Spätaborten nennt man Fehlgeburten, die sich zwischen der 13. und 23. Schwangerschaftswoche ereignen.

Nicht jede vaginale Blutung muss zwangsläufig eine Fehlgeburt bedeuten. Oft kann man den Vorgang – sofern noch Herztöne und Lebenszeichen des Embryos vorhanden sind – rechtzeitig stoppen und die Schwangerschaft erhalten. In diesem Fall spricht der Arzt von einem Abortus imminens, auf Deutsch: drohende Fehlgeburt. Hier helfen Medikamente, wie Magnesium, viel Bettruhe und Schonung, um die Schwangerschaft zu erhalten.

Fernarzt

Ein Abortus incipiens ist eine Fehlgeburt, die bereits im Gang ist. Hier haben die Wehentätigkeiten bereits eingesetzt. Eventuell ist auch die Plazenta bereits geplatzt. Diesen Vorgang kann man medizinisch nicht mehr aufhalten. Vielmehr liegt der Sinn einer Therapie hier darin, die Fehlgeburt schnell und ohne Komplikationen zu beenden.

Ein Abortus completus ist eine Fehlgeburt, wobei die Gebärmutter vollständig entleert wird und kein Schwangerschaftsmaterial zurückbleibt. Die ist meist nur in den ersten Schwangerschaftswochen der Fall. Wird eine Fehlgeburt beendet, noch bevor die Gebärmutter komplett geleert wurde, spricht man dagegen von einem Abortus incompletus. Eine besondere Form der Fehlgeburt nennt man missed Abortion. Hierbei ist das Embryo bereits tot, aber weder Blutung, noch Wehentätigkeit sind zu verzeichnen. In solchen Fällen wird die Schwangerschaft im Krankenhaus beendet. Zuvor wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um den intrauterinen Kindstod festzustellen. Ein febriler Abort – Fehlgeburt mit Fieber – ist auch für die Mutter eine große Gefahr. Bei drei, oder mehr Fehlgeburten hintereinander spricht man von habitueller Abort.

Im Grunde genommen kann jede Frau eine Fehlgeburt erleiden. In etwa die Hälfte aller befruchteten Eizellen bei Frauen unter 30 gehen bei einem Frühestabort zugrunde. In den meisten dieser Fälle wissen die Frauen noch gar nicht, dass sie bereits schwanger sind, deshalb verlaufen diese Fehlgeburten mehr oder minder unbemerkt.

Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlitten haben, haben ein erhöhtes Risiko weiterer Fehlgeburten. Zunächst gilt also eine mögliche Ursache für die vorangegangene Fehlgeburt zu finden.

  • Fehlbildungen der Gebärmutter,
  • Blutgerinnungsstörungen (z.B. Faktor-V-Leiden Genmutation), Infektionskrankheiten (z.B. Geschlechtskrankheiten),
  • Myome in der Gebärmutter,
  • Zysten,
  • Entzündungen in den Eierstöcken, oder den Eileitern können zu den Ursachen zählen.

Viele Frauen stellen sich die Frage, wie lange nach einer Fehlgeburt, eine erneute Schwangerschaft möglich oder empfohlen ist. Wurde die Schwangerschaft mit einer Ausschabung beendet, weil die Gebärmutter nicht vollständig vom Schwangerschaftsmaterial befreit wurde, so sollte man mindestens 3 Monate warten, bevor man wieder schwanger werden möchte. War keine Ausschabung notwendig, steht einer sofortigen (nächster Zyklus) neuen Schwangerschaft kaum etwas im Wege.

Quelle: Hajnalka Prohaska

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